Heike Geißler: Die Woche

Heike Geißler: Die Woche

Mit Tiefgang beschreibt Heike Geißler eine ungewöhnliche Woche in Leipzig, zwei proletarische Prinzessinnen und den unbändigen Wunsch nach Veränderung

Die Erzählerin und ihre Freundin Constanze führen den Leser sprunghaft durch die Ereignisse einer turbulenten und nicht genormten Woche. Die selbsternannten proletarischen Prinzessinnen starten diese am Sonntag: mit dem Ausspähen ihrer alten Wohnung. Sie wurden entmietet. Die jetzigen Bewohner haben ihre ehemaligen vier Wände in eine ordentliche, strukturierte und entsprechend der neuesten Möbelhausprospekte eingerichtete Bürgertumsoase verwandelt. Das ist wirklich unerhört. Fließend nimmt der Sonntag seinen Lauf, es reihen sich Erinnerungen an Ereignisse.  Dabei wird eines unübersehbar: Protest ist mehr als angebracht.

Immer wieder montags

Nach Sonntag kommt Montag. Und danach kommt wieder Montag. Dies ist ganz klar in der Woche der Erzählerin und ihrer Freundin Constanze. Und der Montag begegnet dem Leser noch häufiger im weiteren Wochenverlauf. Ist es doch ein Protesttag, ein vielleicht auch unbeliebter Wochentag, der zu Problemen neigen mag. Für Montage braucht man seine ganze Kraft. Gerade auch, wenn man Widerstand leisten, eine Revolte anzetteln möchte.

Probleme, Missstände, Katastrophen

Mit der mal forsch fließenden, mal heiter plätschernden Erzählweise von Heike Geißler verweben sich Alltagsprobleme, öffentliche Missstände und internationale Katastrophen scheinbar zusammenhangslos. Ob Wohnungsnot, Probleme mit dem Nachwuchs, Politik oder Krieg, all das reiht sich ein in den Fluss der Woche mit überproportional vielen Montagen. Hier den Überblick zu behalten, gar Prioritäten zu setzten, ist nicht leicht. „Mit unseren Problemen ist jedenfalls kein Blumentopf zu gewinnen. Die meisten sind peinlich und fad, und wir sind ihrer schon jetzt überdrüssig. Constanze sagt, daraus macht sie ein Seminar: Wie man wahre Probleme erkennt, benennt und die falschen erfolgreich über Bord wirft.“

Die Woche von Heike Geißler

Gerade der Erzählstiel von Heike Geißler macht „Die Woche“ zu einem besonderen Leseerlebnis. Der Leser schweift mit der Erzählerin von Ereignis zu Ereignis, muss den roten Faden für sich selbst entdecken und aufnehmen. Auch die erzeugte Nachdenklichkeit wird durch die humorvolle und lebendige Gestaltung nicht zur Tristesse. Trotz des Aufzeigens von Missständen, Ungerechtigkeiten und bedrohlichen Szenarien wird auch Hoffnung erzeugt. Hoffnung auf klugen Protest anstatt auf plumpe Aufmärsche.      

Heike Geißler: „Die Woche“, Suhrkamp, Hardcover, 316 Seiten, 978-3-518-43053-8, 24 Euro. (Beitragsbild von Heike Steinweg, Suhrkamp Verlag)

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