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8. März 2025Weniger ist definitiv mehr: Heather Nova präsentiert ihre Songs in reduziertem Gewand und führt in der Laeiszhalle einen ganz besonderen Zaubertrick vor.
Text von Sven Weiss, Fotos von Niko Schmuck
Ich würde diesen Konzertbericht gerne mit einer kleinen Anekdote beginnen. Das erste Mal durfte ich Heather Nova vor vielen vielen Jahren bei einem Open-Air-Konzert als Teil des mittlerweile nicht mehr existenten Ringfestes in Köln erleben. Das Programm bot eine bunte Mischung an Bands, es war alles angerichtet für einen entspannten Nachmittag. Leider spielte das Wetter nicht mit. Es regnete in einem fort. Bis zum Auftritt von Heather Nova. Denn exakt in dem Augenblick, als diese die Bühne betrat, riss der Himmel auf und die Sonne verwandelte plötzlich alles in flirrende Schönheit, als ob sich die Natur vor der Künstlerin aus Bermuda verbeugen würde. Es war einer dieser perfekten Konzertmomente, die man niemals vergisst.
Die Episode ist sehr lange her, und doch scheint Nova diesen Zaubertrick immer noch zu beherrschen. Denn selbst im abgedunkelten kleinen Saal der Laeiszhalle am 07.03.2025 meint man ein paar wärmende Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren, als Heather Nova sich die Gitarre umschnallt, um ihre Show mit „Rewild Me“ vom Album „Pearl“ zu eröffnen.
Im abgespeckten Soundbild beginnen die Songs zu strahlen
Nova hat sich für ein abgespecktes Soundbild entschieden. Und diese Entscheidung war genau richtig. Begleitet wird sie bei den meisten Songs lediglich von der Cellistin Midori Jaeger, die auch hervorragende Zweitstimmen liefert. Nur bei wenigen Tracks kommt ein Schlagzeuger auf die Bühne, der ein paar zurückhaltende Beats beisteuert. So fokussiert sich alles auf Novas Gesang. Und der ist ein einziger Genuss! Gesegnet mit einer der schönsten Stimmen im Pop-Business zeigt Nova, dass sie, auch wenn sie mittlerweile auf die 60 zusteuert, nichts an Strahlkraft verloren hat. Songs wie „Not Only Human“ oder „Ghost In My Room“ trägt sie mit ihrem Timbre, beim Klassiker „Island“ schraubt sie sich wie selbstverständlich in stimmliche Höhen, die wohl noch nie ein menschliches Wesen erblickt hat.
Das reduzierte Klanggewand tut vor allem den neueren Songs gut. Denn während diese auf den Studioaufnahmen unter einem Überfluss an Zucker leiden, beginnen sie in der Rohversion plötzlich zu strahlen. Und man erkennt, welch hervorragende Songwriterin Nova immer noch ist.
„London Rain“ mit Hamburger Background-Vocals
Die Künstlerin spielt sich durch ihre mittlerweile sehr umfangreiche Diskographie und erzählt auch ein paar Geschichten aus ihren Anfangstagen. Die Zuschauer folgen ihr wie gebannt. Es ist ein ebenso aufmerksames wie dankbares Publikum. Was übrigens auch Lokalmatador Timo Scharf erfahren durfte, der ein kurzes Akustikset als Support spielte.
Nach vielen eher melancholischen Songs kündigt Heather Nova an, dass man nun etwas Spaß haben wolle. Und lädt einen Freiwilligen als Backgroundsänger für den Gassenhauer „London Rain“ auf die Bühne ein. Es meldet sich eine junge Frau, die nicht nur souverän singt, sondern auch Textkenntnis beweist und dafür den verdienten Applaus erntet.
Glückliche Gesichter – das nächste Mal darf kommen
Auf Hamburg ist halt Verlass. Auch Nova scheint immer wieder gern hierher zu kommen, einst habe sie hier vor 50 Leuten im Knust gespielt. „Bis zum nächsten Mal“, sagt sie selbstbewusst zum Abschied. Und wenn man die glücklichen Gesichter anschaut, die ins Hamburger Dunkel strömen, dann dürfte es genau der passende Abschiedsgruß gewesen sein.

























