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19. Februar 2025Heather Nova erforscht auf ihrem neuen Album die Dualität der Natur und des Lebens. Leider packt sie die Schönheit ihrer Songs in ein zu biederes Soundgewand.
von Sven Weiss
Es gab eine Zeit, da waren wir alle Heather-Nova-Fans. Die Alben „Oyster“ und „Siren“ boten die perfekte Mischung aus eingängigen Popmelodien, sommerleichter Wohlfühlatmosphäre und Novas ätherischem Gesang. Ihre Songs bewegten sich genau an der Schnittstelle zwischen Mainstreampop und dem, was man gerade noch cool finden durfte. Inzwischen gehört Heather Nova eher in die Kategorie „Ach, die gibt es auch noch!“. Ja, Heather Nova macht immer noch Musik. Regelmäßig kommen neue Alben der inzwischen 57-jährigen. So wie jetzt „Breath And Air“. Und es ist auf eine Weise wieder ein typisches Heather-Nova-Album geworden.
Meist wird im Zusammenhang mit Heather Nova geschrieben, dass sie von den Bermudas kommt. Tatsächlich klingt ihre Musik ja auch so. Die Songs haben eine angenehme Leichtigkeit – wie eine warme Meeresbrise, die sanft über die Nase streicht, während man selbst in einem Korbstuhl am Strand sitzt, sich den Sonnenhut zurechtrückt und nach seinem Cocktail greift. Ach ja, das Leben könnte so herrlich sein.
Wie man den Ohren schmeichelt, weiß Heather Nova
Aber nun sind wir hier ja nicht auf Bermuda. Und da muss man leider feststellen, dass Novas Musik sich seit diversen Alben weg vom Atlantik in Richtung seichtere Gewässer bewegt. Auch von ihrem neuen Album „Breath And Air“ sollte man sich keine großen Überraschungen erwarten. Was durchaus auch etwas Positives an sich haben kann. Denn wie man den Ohren schmeichelt – das weiß Heather Nova immer noch. Vor allem ihre Stimme klingt frisch wie eh und je, was gleich beim Opener „Hey Poseidon“ zu einem wohlig-warmen Gefühl des Wiedererkennens führt. Bei „From Up Here“ schwingt sie sich passend zum Titel in höchste stimmliche Höhen, während sie bei „Butterflies And Moths“ ihren Gesang in einen hauchigen Nebel hüllt.
Auch auf diesem Album zaubert Nova einige wunderbar-leichtfüßige Melodien aus dem Strohhut, die das Potenzial haben, nicht mit der nächstbesten Meeresbrise davonzuwehen. Leider ist das Ganze etwas zu bieder verpackt. Die Akustik-Gitarre bildet meist das Fundament, bleibt aber schüchtern im Hintergrund. Das Klavier klimpert ein wenig, die Streicher hüllen die Songs in eine warme Kuscheldecke, ab und zu gibt es ein paar versprengte Elektronikschnipsel. Ecken und Kanten jedoch nicht.
Dualität der Natur und des Lebens
Auf „Breath And Air“ erforscht Nova nach eigener Aussage die Dualität der Natur und des Lebens. Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein – dies hat Nova mit zunehmendem Alter für sich erkannt. „Wir können kein Licht ohne Dunkelheit haben, wir können keine Freude ohne Schmerz haben. Das sind einfache Dinge, aber ich muss mich ständig daran erinnern“, so die Musikerin. Dass die Schönheit nur leuchten kann, wenn auch die Abgründe nicht weit sind, das scheint sie trotzdem vergessen zu haben. Ist es ein Zufall, dass der beste Song auf dem Album ausgerechnet den November im Namen trägt?
„Breath And Air“ kann man wohl als ein abgeklärtes, reifes Werk bezeichnen. Mit einer Schönheit, die nicht wehtut und als Soundtrack für leichte Sommertage sicher gut funktioniert. Am besten passt das Album wohl doch am Strand von Bermuda. Leider werden es die wenigsten von uns in diesem Ambiente hören.
„Breath And Air“ von Heather Nova erscheint am 21.02.2025 bei V2 Records. (Beitragsbild von Vincent Lions)





