Happyness: Weird Little Birthday – Album Review

Happyness: Weird Little Birthday – Album Review

Grandioses Debüt der englischen Band Happyness, das an Pavement und Wilco erinnert

von Gérard Otremba

Ein Trio aus Südlondon mischt den Rock‘n’Roll-Zirkus auf. Weird Little Birthday ist ein überragendes Debütalbum, das zwischen dem Alternative-Rock von Pavement und dem reduzierten Songwriter-Indie-Rock von Wilco changiert. Ja, Stephen Malkmus und Jeff Tweedy springen wohl vor Freude an die Decke über die zahlreichen, teilweise an den Slacker-Rock der 90er erinnernden, unfassbar ausgefeilten Songs auf Weird Little Birthday. Die Sänger Jonny Allan (Bass, Gitarre) und Benji Compston (Gitarre), die zusätzlich auch Piano, Orgel und diverse andere Instrumente bedienen, sowie Schlagzeuger Ash Cooper beginnen den Longplayer mit „Baby, Jesus (Jelly Boy)“, einem sanften Stück mit verträumter Gitarre und leicht verhallten Vocals, der perfekte Soundtrack für einen schummrigen Sonnenaufgang. In „Naked Patients“ hört man Wilco aus der Jahrtausendwendezeit heraus, „War On War“ oder „Kamera“ in reduzierter Form, die Melancholie des Openers perfekt weiter transportierend. Der windschiefe und doch mit grenzenlos melodieverliebte Indie-Pop-Rock von „Great Minds Think Alike, All Brains Taste The Same“ ist eine fabelhafte Quintessenz aus Malkmus und Tweedy, höhere Weihen sind kaum zu vergeben.

Weird Little Birthday ist gespickt mit Highlights, die alle kaum aufzuzählen sind. Da ist der giftige Underground-Garagenrock in „Refrigerate Her“, der glorreiche alte The Strokes-Anfangstage wieder hochleben lässt. Oder der ausfransende Slacker-Shoegazer-Rock von „Anything I Do Is All Right“. Im impressionistischen, mit einer Laid Back-Gitarre aufwartenden „Weird Little Birthday Girl“ wird gar „Cars And Girls“ von Prefab Sprout auf vollkommene Weise zitiert. Hut ab, Happyness, große Kunst, ein wahnsinnig genialer Neunminutensong. Lässigen wie himmlischen Indie-Pop-Rock liefern Happyness mit „It’s On You“ und das verletzliche „Regan’s Lost Weekend (Porno Queen)“ geht sofort unter die Haut, als ob Jeff Tweedy Pate gestanden hätte. „Leave The Party“ dann leger und verträumt-entrückt, „Lofts“ sowohl zurückhaltend als auch majestätisch und „Monkey In The City“ gar liebreizend. Hach, und fast hätte ich das geradezu opulente Ausmaße annehmende „Orange Luz“ und das elegische, u.a. von Ed Harcourt gesungene „Pumpkin Noir“ vergessen. Sehr beatleesk und traumhaft schön. Und weil die 13 Songs alle mit dem Umwerf-Faktor gesegnet sind, gibt es noch vier nicht minder sensationelle Bonus Tracks zu hören. Happyness feiern mit Weird Little Birthday einen Album-Einstand nach Maß.

„Weird Little Birthday“ von Happyness ist am 27.03.2015 bei Moshi Moshi / PIAS Cooperative erschienen.

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