Happyness live in Hamburg – Konzertreview

Happyness live in Hamburg – Konzertreview

Minimale Besetzung, große Wirkung

Eine Autopanne in den Alpen verhinderte das volle Happyness-Programm am 10.05.2017 in Hamburg. Ihr Konzert in Wien musste die englische Band ganz absagen, schnelle Hilfe war nicht möglich, doch wollten die Londoner ihre Deutschlandauftritte nicht auch noch ausfallen lassen und so machten sich die beiden Sänger Benji Compston und John EE Allen mit einem minimalistischen Equipment aus zwei Gitarren und einem Keyboard auf den Weg nach Berlin, spielten dort am Dienstag zum ersten Mal als Duo vor Publikum und fuhren mit dem Zug nach Hamburg, um in der SkyBar des Molotow aufzutreten.

Dieser unplanmäßige Einsatz ehrt die beiden Musiker sehr und welche fabelhaften Songs sie geschrieben haben, zeigen Happyness auch in der abgespeckten Variante ohne Bass und Schlagzeug. Kurzfristige Improvisation für zwei Abende also für Benji Compston und John EE Allen, die sich während ihres einstündigen Gigs im Molotow trotz des Stresses locker und konzentriert  geben. In ihr Repertoire aus Songs der beiden vorzüglichen Happyness-Alben Weird Little Birthday und Write In streuen die beiden noch drei Cover ein, „I Only Want Be With You“ von Dusty Springfield, „Hey, Joe“ von Sparklehorse und „Chewin The Apple Of Your Eye“ der Flaming Lips, die sich perfekt in das Happyness-Oeuvre einbetten.

In der reduzierten Version wird das Konzert zu einer Art Elliott Smith-Gedächtnisabend. Atmen einige Songs bereits auf Platte den Geist des viel zu früh verstorbenen, genialen Songwriters, so ist die Nähe zu Smith in nahezu allen 60 Minuten des Happyness-Auftritts in Hamburg spürbar. Insbesondere natürlich beim romantischen „Victor Lazzaro’s Heart“, das, ähnlich wie „Pumpkin Noir“, nicht nur Elliott Smith, sondern auch Wilco evoziert. Der häufig eingesetzte zweistimmige Gesang findet in „Tunnel Vision On Your Part“ seinen Höhepunkt, eine grandiose Fassung eines der besten Songs des neuen Albums, die schwer unter die Haut geht.

Das Schöne an Happyness ist ja, dass man ihnen, trotz sich anbietender Vergleiche, kein mediokres Epigonentum vorwerfen kann. Im Gegenteil sprechen Songs wie „Baby, Jesus (Jelly Boy)“, „Through Windows“, „The Real Start Again“ und natürlich „Weird Little Birthday Girl“ auch live ganz für sich und zeigen die Klasse dieser begnadeten Songwriter. Und beim nächsten Hamburg-Konzert dann wieder mit reparierten Bandbus und voller Bandstärke. Doch jetzt wissen wir immerhin, dass die Happyness-Songs auch in einem intimen Soirée-Ambiente funktionieren.

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