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16. Juli 2025Am Do. 27. Juni 2025 hat das KomponistenQuartier (Nähe St. Michaeliskirche) seine Sonderausstellung „Hamburger Meister kontemporär“ eröffnet. Warum sich das Museum diesem Thema im Jubiläumsjahr annimmt…? Sehen Sie sich die Ausstellung bis zum 03. November 2025 an.
Text und Fotos von Johanna Karajan
„Hamburger Meister kontemporär“ – das heißt, Meister bzw. Meisterinnen ihres Handwerks, die in der aktuellen Zeit leben. Das KomponistenQuartier widmet im Sommer und Herbst ihres Jubiläumsjahres, hier wurde darüber berichtet, eine Sonderausstellung diesem Thema und benennt dabei vier Künstlerinnen und Künstler mit aktuellen Werken:
– Leon Gurvitch: „Duell“
– Dong Zhou: „Der Esel Rennt Immer Weiter“
– NVCHT & ONI: „Faustina und Johann“
– Aigerim Seilova: „Ich, Elektra“ und „geGETet“
Im Rahmen dieser Sonderausstellung bietet das KomponistenQuartier diesen jungen Komponistinnen und Komponisten eine Bühne und Plattform, sich dem Publikum vorzustellen. Sie wurden ausgewählt, weil sie alle eine Hommage an mindestens einen der sechs Komponisten und der einzigen Komponistin, die die Existenz des KomponistenQuartiers prägen, komponiert haben. Diese wurden und werden als Festakt im Rahmen der Feierlichkeiten des zehnjährigen Bestehens des KomponistenQuartiers in Hamburg von April bis Oktober als Uraufführung präsentiert. Bei den insgesamt historischen Musikerinnen und Musikern handelt es sich um:
– Johannnes Brahms
– die Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn
– Georg Philipp Telemann
– Carl Philipp Manuel Bach
– Johann Adolf Hasse
– Gustav Mahler
Frau Dr. Friederike von Cossel, Vorstandsmitglied des KomponistenQuartiers hat sich bei der Eröffnung der Sonderausstellung entsprechend geäußert, dass „niemand historisch geboren wird“ und die Geschichte über jemanden erstmal durch jemanden oder etwas geschrieben werden müsste. Dieser Mission hat sich das KomponistenQuartier in seinem Jubiläumsjahr angenommen und genau deswegen diesen Zeitpunkt für diese Ausstellung gewählt. Denn ferner als die ausgestellten Künstler selbst ist es, den Begriff des Meisters zu verstehen. Dafür wurde das Wort an den deutschen Komponisten Karsten Gundermann („Des Menschen Wille“, 2017, und „Weltharmonik“, 2023) erteilt. Gundermann ist außerdem Vorstandsmitglied (u.a. mit Aigerim Seilova) des Deutschen Komponistenverbandes, kurz DKV, Landesverband Hamburg. Diese Einrichtung bildet über 100 Komponistinnen und Komponisten weiter.
Wie wird man Meister?
Das Publikum stellt auch einen essenziellen Faktor dar, einen Meister zu benennen. Doch wie wird man Meister? „Indem man fleißig übt“, eine Antwort, die simpel wie fundamental wirkt, welche jedoch weitläufig unterschätzt wird. Jede Note, jeder Takt, so Gundermann, geben ein Meisterschaftsgefühl, doch das Siegel „Meister“ werde von anderen vergeben: vom Publikum mitsamt seinem Geschmack und seiner Haltung. „Meister ändern sich“, doch der Geschmack und die Haltung eines Publikums zu einem Künstler und seinen Werken ändern sich nicht. Gundermans Vortrag macht einen Exkurs in die Industrialisierung, seit der das Meistertum sowie die Musik in „atemberaubender Geschwindigkeit“ rasen: eine Produktion dauert heutzutage nicht mehr Monate, nicht einmal mehr einige Tage, sondern ist bereits in Sekunden fertiggestellt.
Besonders verstärkt wird diese Entwicklung durch die Digitalisierung: Während ein Werk vor dem Zeitalter der Digitalisierung noch einen Wert von 60,- DM gehabt hat, den das Publikum bereit gewesen ist, zu zahlen, ist Musik heutzutage nahezu kostenlos verfügbar. Diese Entwicklung nimmt weitreichendere Folgen durch die KI, welche auf die Gefühle des Publikums abgestimmte Musik generiert.

Drei Faktoren
In einer so rasanten Veränderung, wie reagiert da ein Meister bzw. eine Meisterin? Laut Gundermann gibt es drei ausschlaggebende Faktoren, die das Meistertum in Kunst und Kultur vor der Oberhand der Digitalisierung schützen:
1. Der Wert: KI hat kein Bewusstsein und verfügt somit über kein Gewissen. Ein künstlerisches bzw. kulturelles Werk, welches das Herz seines Urhebers oder seiner Urheberin innehält, bekommt insbesondere von jungen Menschen einen Wert.
2. Das Gemeinschaftserlebnis: In Zeiten von KI sowie Social Media vereinsamen die Menschen an ihren mobilen Endgeräten, so Gundermann weiter. Musik hingegen schaffe Gemeinschaft durch gemeinsame Ziele sowie die gemeinsame Aktivität, bspw. der Besuch eines Konzerts des gemeinsamen Lieblingskünstlers. Namhafte aktuelle Beispiele für ein solches Erlebnis sind die zweitägigen Konzerte von Taylor Swift 2024 oder drei Tage ausverkauften Konzerte von Ed Sheeran im Hamburger Volksparkstadion (Sounds & Books berichtete). Ein solches Erlebnis kann den Menschen keine digitale Erfindung nehmen. Dies habe man insbesondere während der Coronapandemie 2021 und 2022 gemerkt.
3. Die Zuverlässigkeit: Zuletzt hat Karsten Gundermann das Vertrauen in die Meisterinnen und Meister und die damit verbundene Zuverlässigkeit, welche das Publikum den Künstlerinnen und Künstlern anerkennt, benannt. Musik erzeuge Hoffnung und dadurch die Bereitschaft für Live-Musik von (kontemporären) Meisterinnen und Meistern zu zahlen. Die Rede des Komponisten Gundermann ist absolut ergreifend gewesen hat den Zuhörer mitten ins Herz getroffen. Besonders, dass er nochmals auf das anwesende Publikum im KomponistenQuartier am 27. Juni gedeutet hat, um das Gemeinschaftsgefühl zu verdeutlichen und mit jeder Silbe die anwesenden Künstlerinnen und Künstler aus der Ausstellung geehrt hat. Da konnte man nur nickend zustimmen.
Live-Musik
Eine besondere Note hat dieser Rede das musikalische Hip-Hop-Duo NVCHT & ONI vergeben, die nicht nur künstlerisch, sondern auch privat ein Paar sind. Während ihre Musik vibrierend ist und eher im Club gespielt wird, hat Gundermann die Sängerin NVCHT am historischen Klavier, auf dem auch Johannes Brahms gespielt hat, begleitet. Diese hat ihr neustes Lied „Wütend“ aufgeführt. Das Lied handelt darüber, laute Emotionen unter Kontrolle halten zu müssen. Als Ballade ist dieses Lied unter die Haut gegangen. Im späteren Verlauf der Ausstellung ist das coole Duo sehr nahbar, sympathisch und bodenständig aufgetreten und hat auch die Bewunderung des älteren Publikums genossen. Währenddessen hat der Komponist und Pianist Leon Gurvitch es genossen, sich an der Medienstation auszuprobieren. Ein äußerst amüsanter Anblick.

Hamburger Meister bis November
Es wurden bewusst unterschiedliche Arten von Künstlerinnen und Künstlern gewählt, um zu zeigen, wie vielseitig Musik heutzutage ist aber sie trotz dieser Vielseitigkeit in jedem Genre, in jedem Stil die Anerkennung genießt. Die Ausstellung zeigt Bilder und Beschreibungen aktueller Werke der vier Komponistinnen und Komponisten. Auf einer Medienstation können sich zwei Personen zur selben Zeit durch weitere Informationen zu den Künstlerinnen, Künstlern audiovisuell verschaffen.
Das KomponistenQuartier hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In dieser Zeit können sich Interessierte die Ausstellung bis zum 03.11.2025 ansehen. Diese befindet sich im oberen Stockwerk des Brahms Museums in der Peterstraße 39. Tickets gibt es ab 11,- € Euro.
Gefördert wird die Sonderausstellung „Hamburger Meister kontemporär“ durch die Kulturstiftung Zillmer unter dem Dach der Hamburgischen Kulturstiftung, die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und die Behörde für Kultur und Medien Hamburg.





