Halo: In The Company Of No One

Halo Pressefoto

Masha Qrella und Julia Kliemann sind schon lange in der Berliner Indietronica-Szene kreativ. Ihr erstes gemeinsames Album unter dem Moniker Halo ist schlicht brillant.

von Werner Herpell

Zuerst einige quietschige Spielkonsolen-Sounds, dann ein pochender  (Krautrock-)Beat und eine düstere Post-Punk-Gitarre, wenig später helle, freundliche Frauenstimmen – alle Achtung, diese Newcomer namens Halo wissen wirklich, wie sie einen kriegen. Wer steckt denn hinter diesem tollen Album-Opener „All The Years“, der hier so unwiderstehlich mit Groove und Charme ins Haus fällt? Ach so, Masha Qrella und Julia Kliemann sind’s. Na, dann wundert man sich schon weniger über diese äußerst gelungene Überraschung.

Die 90er mit Contriva, Mina und Komëit …

Halo In The Company Of No One Cover

Weil nicht jeder sofort die beiden Namen parat hat – hier eine kurze Rückblende, in die späten 90er-Jahre von Berlin. Damals erfanden Musiker und Musikerinnen wie Mariana Kurella alias Masha Qrella mit Bands wie Contriva oder Mina „einen neuen Indietronic-Pop am heimischen Laptop, befreit von der Macht alter Rockmänner und ihren überteuerten, analogen Studios“, wie das stolze Halo-Label Fun In The Church ganz richtig schreibt. Später feierte die 1975 geborene Multiinstrumentalistin und Singer-Songwriterin Qrella solo hochverdiente Erfolge, zuletzt mit dem Thomas-Brasch-Tribute-Album „Woanders“ (2021) und als Film/TV-Komponistin. Auch Julia Kliemann veröffentlichte zusammen mit Christian Flor als „Zartcore“-Duo Komëit tolle Musik in diesem Hauptstadt-Experimentierfeld.

Dass die beiden kreativen Frauen nun unter dem „Heiligenschein“-Moniker mit „In The Company Of No One“ endlich ihre erste Platte rausbringen (physisch bei Edition Dur/Dussmann), ist quasi eine logische Folge der musikalischen Geistesverwandtschaft. Dabei hatten Qrella/Kliemann schon vor zehn Jahren beschlossen, ein Duo zu gründen. „Aus unterschiedlichen Gründen wurde ihr erstes gemeinsames Album trotz fabelhafter Songs nie fertig“, berichtet das Label. „2022 nahmen sich die beiden Musikerinnen die Zeit, das Material in Ruhe zu sichten, und beschlossen, es endlich fertig zu produzieren. (…) Den Künstlerinnen ist es mittlerweile vollkommen schleierhaft, warum es so lange gedauert hat, dieses Album fertigzustellen.“

… und jetzt feinste Indietronica mit Halo

Warum auch immer – schön, dass es „In The Company Of No One“ nun endlich als Digital- und Vinyl-Veröffentlichung gibt. Denn auch nach besagtem Super-Opener „All The Years“ (eine Anspielung auf all die vielen Jahre des Zauderns?) werden hier feinste Indietronica und Post-Rock mit Loops und krautigen Elementen, treibenden Rhythmen und federleichten Gesängen (mal solo, mal zu zweit bestens harmonierend) geboten, dass es eine pure Freude ist.

Bis zum gitarrenpostpunkigen Closer „Bandaranaik“, der nochmal mächtig auf die Tanzfläche zieht, holen Qrella und Kliemann alles aus ihren Instrumenten, Samplern, Sequencern und Vocals heraus. Das Label legt Vergleiche mit New Order oder Stereolab nahe, auch The Cure, Kraftwerk oder The Notwist könnte man nennen. Letztlich aber bleibt dieses starke Album ganz klar das Duo-Ding zweier brillanter Berliner Musikerinnen – also von Halo. Chapeau!

Das Album „In The Company Of No One“ von  Halo erscheint am 28.06.2024 bei Edition Dur/Dussmann und Fun In The Church/Zebralution.

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