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9. Juli 2025Gwenno ist und bleibt eine stolze Waliserin. Auf ihrem vierten Album singt sie dennoch erstmals überwiegend Englisch. Dem Charme der Lieder schadet das nicht.
von Werner Herpell
Nicht alles, aber vieles ist neu auf Album Nummer vier von Gwenno. Vor allem die Sprache: Wer die frühere The-Pipettes-Dame als Solokünstlerin fest im walisischen und Cornwall-Idiom verortet hatte, muss sich bei ihrem vierten Album, zumindest großenteils, umstellen. Denn die inzwischen 44-jährige Songwriterin aus Cardiff singt auf „Utopia“ ganz überwiegend Englisch – trotz ihres unbeirrten Eintretens für mehr politische Unabhängigkeit des Landesteils Wales vom UK.
„Als hätte ich ein Debütalbum geschrieben“
Gwenno selbst kommt der Nachfolger von „Y Dydd Olaf“ (2014), „Le Kov“ (2018) und dem Mercury-Prize-nominierten „Tresor“ (2022) daher wie ein Erstlingswerk vor: „Ich habe das Gefühl, als hätte ich ein Debütalbum geschrieben, denn es ist eine andere Sprache und ein anderer Teil meines Lebens. Es handelt von dem Zeitpunkt, an dem ich mich alleine in die Welt hinausbegebe, worüber die meisten Menschen zuerst schreiben, bevor sie dann ihr Leben weiterleben.“ Nur einen Song, nämlich „Y Gath“, singt sie vollständig auf Walisisch, es klingt natürlich herrlich. Dem Charme und der Schönheit ihrer Lieder schadet aber auch der verstärkte Gebrauch des Englischen keineswegs.
Die mit einer zarten, aber effektiven Stimme ausgestattete Sängerin – mit bürgerlichem Namen Gwenno Mererid Saunders – betrachtet inzwischen ihre drei vorherigen Soloplatten als „Kindheitsalben“, die in ihrer Erziehung, ihren Eltern und ihrer walisischen Identität wurzeln. Dagegen fange „Utopia“ – wiederum produziert von ihrem Ehemann Rhys Edwards – eine Zeit der Selbstbestimmung und des Experimentierens ein.
Gwenno bildet 25 Jahre in zehn Songs ab
Das stilistische Spektrum ist also breit – von Gitarrenpop, der an die epocheprägenden Sounds von The Smiths in den 80ern erinnert („Dancing On Volcanoes“) , über Electro-/Trip-Hop-Experimente („War“), Pulp-Artpop („Y Gath“) und Sixties-Girlgroup-Anklänge („The Devil“, „Ghost Of You“) bis zu barockpoppigen Klavier- und Streicherballaden („London 1757“, „Utopia“). Gwenno selbst nennt Jarvis Cocker, Johnny Marr und die Pet Shop Boys als Vorbilder für einige ihrer neuen Songs.
Mit dem Closer „Hireth“, der erstmals für und rund um eine Harfe geschrieben wurde (und dementsprechend märchenhaft-bezaubernd klingt), endet ein Werk, das Gwenno als Künstlerin auf dem Weg in ihre mittlere Schaffensphase präsentiert. „Utopia“ sei letztlich ein Album, das 25 Jahre abbilde. „Man kommt an diesen Punkt, wo man denkt: Meine Güte, dieses Vierteljahrhundert ist schnell vergangen“, sagt die stolze Waliserin. „Aber ich möchte es anerkennen und respektieren und sagen, dass all das, ob gut oder schlecht, eben passiert ist.“. Eine starke, eine selbstbewusste Platte einer bestens gereiften Musikerin.
Das Album „Utopia“ von Gwenno erscheint am 11.07.2025 bei Heavenly / PIAS. (Beitragsbild von Clare Marie Bailey)





