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19. Juni 2026Einer der prägenden Gitarristen seiner Generation wird als Solokünstler neu entdeckt: Vorhang auf für Graham Coxon von Blur!
von Werner Herpell
Es gibt wohl kaum ernsthafte Zweifel, dass die Geschichte der Britpop-Helden Blur von ihrem quirligen Frontmann Damon Albarn geprägt wird – aber ebenso vom Mann daneben an der E-Gitarre. Auch Graham Coxon hat dieser Band von Anfang an seinen Stempel aufgedrückt mit coolen Riffs und knappen, schrägen Soli – man muss nur nochmal seine unkonventionellen Ausbrüche auf „St. Charles Square“ hören, einem Song vom bisher letzten, euphorisch gefeierten Album „The Ballad Of Darren“, um die Bedeutung dieses Leadgitarristen zu ermessen. Ein Meister seines Fachs – und kein Wichtigtuer.
Viele Wiederveröffentlichungen – plus Überraschung
Übersehen wird angesichts der Blur-Meisterwerke von „Leisure“ (1991) bis „The Ballad Of Darren“ (2023) nämlich gern, dass Coxon auch als Sänger und Songwriter unter eigener Flagge einiges vorzuweisen hat. Zuletzt lieferte er im Artpop-Duo The Waeve (zusammen mit seiner Partnerin Rose Elinor Dougall) zwei starke Platten ab. Jetzt nimmt sich das Label Transgressive Records des über drei Dekaden verstreuten Solowerks dieses mittlerweile 57 Jahre alten Briten an – mit Wiederveröffentlichungen und einer Überraschung.
Die heißt „Castle Park“ – eine Platte, die vom Studio-As Ben Hillier (siehe unter anderem „Think Tank“ von Blur) produziert und 2011 im Rahmen der Sessions für Coxons immer noch aktuellstes Soloalbum aufgenommen wurde. Ursprünglich als Nachfolger von „A+E“ (2012) gedacht, wurde die Veröffentlichung aufgrund der Aktivitäten von Blur im Jahr 2012 (für das erste meisterliche Comeback mit „The Magic Whip“) verschoben, bevor der Gitarrist sich anderen Projekten zuwandte.
Graham Coxon glänzt auch auf „Castle Park“
„Castle Park“ ist ein Album, wie es sich jeder Fan von Graham Coxons Solowerk (und sicher auch viele Blur-Verehrer) nur wünschen können: zehn melodische, präzise, im Sixties-Mod-Pop, in Beatles- und (vor allem) Kinks-Nähe verwurzelte Lieder zwischen zwei und fünf Minuten Länge, voller Witz und Ironie. Coxon ist nicht der weltbeste Sänger (da hat ihm Albarn einiges an Charisma voraus), aber für schrullige Preziosen wie „Billy Says“, das lässig gepfiffene „Alright“, „Easy“ oder das beim Northern Soul andockende „Forget Today“ kommt es darauf auch gar nicht an. Macht Riesenspaß, diese verschollene Platte.
Da Coxons bisheriges Solo-Werk „längst vergriffen und auf physischen Tonträgern sehr gefragt“ sei, beginnt laut Transgressive mit „Castle Park“ eine umfassende Neuauflage. Auch „The Sky Is Too High“ (1998) und „The Golden D“ (2000) sind also ab sofort wieder erhältlich. Im Laufe des nächsten Jahres werden unter anderem die Studioalben „Crow Sit On Blood Tree“ (2001), „The Kiss Of Morning“ (2002), „Happiness In Magazines“ (2004), „Love Travels At Illegal Speeds“ (2006), „The Spinning Top“ (2009) und „A+E“ (2012) sowie die beiden Soundtrack-Alben mit Original-Songs und Filmmusik zu „The End of The F***ing World 1“ (2018) und „The End of The F***ing World 2“ (2019) sowie „Superstate“ (2021) neu herausgebracht.
Das Album „Castle Park“ von Graham Coxon erscheint am 19.06.2026 bei Transgressive Records. (Beitragsbild von James Kelly)





