Gov’t Mule: Heavy Load Blues – Albumreview

Gov’t Mule: Heavy Load Blues – Albumreview

Die Blues-Rock-Band Gov’t Mule betreibt auf “Heavy Load Blues” die Traditionspflege auf allerhöchstem Niveau

Es gibt eine neue Scheibe von Gov’t Mule, der bluesbasierten Southern-Rock-Jam Band – und es ist ein Bluesalbum. Originell liest sich solch eine Ankündigung nicht, ist der Blues im Sound der Formation um den Ex- Allman Brothers Band-Gitarrenvirtuosen Warren Haynes doch nicht zu ignorieren, auch wenn letztlich ausschweifender Rock mit konzeptioneller Nähe zum Jazz aus ihm entsteht. Und doch ist es ein wenig anders auf dieser, der nunmehr zwölften Studioscheibe der Formation, von der darüber hinaus unzählige offizielle oder halboffizielle Live-Alben existieren sowie Kooperationen mit anderen Künstlern. Nicht zu vergessen die Solo-Platten von Warren Haynes.

Eine rockigere Platte folgt

Gov't Mule Heavy Load Blues Cover Fantasy Records

„Heavy Load Blues“ hätte unter Umständen ein solches werden können – anders als in der Vergangenheit war es lange unklar, unter welchem Namen das neue Stück nun veröffentlicht werden sollte. „Ich wusste nicht, ob es ein Soloalbum oder eine Gov’t Mule-Platte werden würde“ wird Haynes im Promoblatt zitiert – „Fest wusste ich nur, dass ich eine traditionelle Blues-Platte machen wollte“ führt er weiter gegenüber Wolf Kampmann im aktuellen Rocks aus. Eine stattliche Anzahl neu geschriebener Stücke sowie eine ebensolche von Covers bildeten den Pool für nicht nur eine, sondern gleich zwei neue Gov’t Mule-Veröffentlichungen, deren erster Teil „Heavy Load Blues“ geworden ist. Eine zweite, rockigere Scheibe folgt in wenigen Monaten.

Gov’t Mule nutzen unterschiedliche Tageszeiten

Der Unterschied zwischen den fast parallel eingespielten Aufnahmen bestand in den dafür genutzten Tageszeiten (die Blues-Songs entstanden nachts) sowie dem unterschiedlichen Equipment (die Instrumente auf „Heavy Load Blues“ sind zum Teil älter als die Akteure selber). Entstanden sind dabei jedoch nicht nur kurze, knackige Stücke sondern ebenso welche, die nach geschätzter Mule-Art improvisatorisch aus dem Vollen schöpfen – so z.B. das beeindruckende Gitarren/Orgel- Duell in „I Asked For Water (She Gave Me Gasoline)“ (Howlin’ Wolf)  oder das nicht minder faszinierende „Snatch It Back And Hold It“ (Junior Wells/Buddy Guy) mit Jamteil in der Mitte des Songs. „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ – die Power-Ballade von Bobby „Blue“ Bland, die Whitesnake in ihren bluesigen 80ern bekannt machte und mit deren Gitarristen Bernie Marsden Gov’t Mule dieses Stück live bereits häufig aufführten, strahlt in einer lässig-entspannten Version.

Ein zeitlos klingendes Werk

„Make It Rain“, im Original von Tom Waits, begeistert mit einem Laid Back-Groove sowie einem Gitarrensound, der laut Haynes nicht ganz so geplant war und durch technische Schwierigkeiten entstand, welche die gesamte Aufnahme jedoch aufwerteten und deswegen so verwendet wurden. Eigentlich ist es jedoch relativ egal, welches Stück man als Anspieltipp hervorheben mag: Unterm Strich ist „Heavy Load Blues“ mal wieder ein zeitlos klingendes Werk eines Quartetts von hochbegabten Musikarchäologen, die sich selber begeistern von der Materie, in der sie sich bewegen und in der Lage sind diese Begeisterung weiterzugeben, auf Tonträgern wie im Besonderen auch live; dabei immer ebenso die ursprünglichen Schöpfer in den Fokus stellend. Das ist weder altbacken noch gestrig, sondern Traditionspflege auf allerhöchstem Niveau.

“Heavy Load Blues” von Gov’t Mule erscheint am 12.11.2021 bei Fantasy Records / Concord / Universal. (Beitragsbild von Jay Sansone)

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