Gossip live in Hamburg 2024 – Konzertreview

Gossip live Hamburg 2024 Stadtpark by Niko Schmuck Sounds & Books

Hamburg, the sexclub. Queer-Ikone Beth Ditto und ihre Band Gossip grooven den Hamburger Stadtpark

Text von Gérard Otremba, Fotos von Niko Schmuck

Als die meisten schon ihre Handys gezückt hatten, die anderen schwungvoll zum Tanz ansetzten und die Band bereits die ersten Takte anspielte, unterbrach Beth Ditto „Heavy Cross“, um sich explizit bei den deutschen Fans für den Erfolg dieses Songs zu bedanken. Mit den Einnahmen habe sie ihrer Mutter („She’s fucking the best“), die vorher ein eher tristes und ärmliches Leben im Trailer führte, ein Haus kaufen können. Sie widmete den großen Hit aus dem zweiten Gossip-Album „Music For Men“, der in Deutschland 2009 bis auf Platz 2 der Single-Charts kletterte, denn auch ihrer Mutter und hernach gab es sowieso kein Halten mehr. „Heay Cross“ stand am Ende der Setlist des von der ausverkauften Großen Freiheit 36 in den Hamburger Stadtpark verlegten Gossip-Konzertes am 03.07.2024.

Die Gossip-Groove-Monster

Am Ende einer Reihe von

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Groove-Monstern, wie sie nur von der, live in fünfköpfiger Formation, neben Ditto noch Nathan Howdeshell (Gitarre), Hannah Blilie (Schlagzeug), Ted Kwo (Bass) und Bijoux Cone (Keyboard, Gitarre), auftretenden, 1999 in Olympia, Washington, gegründeten Indie-Rock-Band stammen können. Die ihrem Indie-Rock noch einen euphorisierenden Disco-Groove draufsetzten, so dass es beim Hamburg-Auftritt vom Opener „Listen Up!“ über „Act Of God“ und „Yr Mangled Heart“ hin zu „Men In Love“ „Move In The Right Direction“ und „Standing In The Way Of Control“ stets ordentlich zur Sache ging. „Standing In The Way Of Control“ garnierten Gossip gar mit einem „Smells Like Teen Spirit“-Auszug, was die Stimmung auf die Spitze trieb. Beth Ditto ist natürlich eine Diva und Rampensau und diese Rolle spielte sie genüsslich. Schon zu Beginn fragte sie das Publikum nach ihren bevorzugten Sex-Clubs und beschied, ganz Hamburg sei ein eben solcher.

Die rothaarige Beth Ditto

Einige ihrer schlüpfrigen Ansagen waren nicht ganz jugendfrei, doch fiel ihr noch rechtzeitig ein, dass Kinder anwesend sein könnten („I don’t wanna fuck up the kids“). Ditto fand das Stadtpark-Open-Air-Gelände „so fucking nice“ (womit sie unbedingt Recht hat), bemängelte indes den großen Abstand von Bühne zum Publikum. Den überbrückte sie zumeist auf dem Steg vor den Besuchern singend. Zunächst wollte sie den Rasen links und rechts vom Steg nicht zerstören, traute sich dann aber doch, ihn zu betreten, um den Fans in der ersten Reihe näher zu kommen. Immer wieder kokettierte sie mit ihrer „natural“ roten Haarfarbe, schließlich habe ihre Oma schon rote Haare gehabt und angeblich nicht nur auf dem Kopf. Bei „Crazy Again“ war dann die Maskerade jedoch vorbei, die Perücke ab und kurzfristig auf dem Kopf eines mit wenig Haar bedachten Ordners. Ja, Beth Ditto sorgte für reichlich Amüsement.

Alle lieben Beth Ditto und Gossip

Nachdem sie ganz am Anfang Nenas „99 Luftballons“ anstimmte, sang sie später gar eine Zeile des obskuren Nina-Hagen-Songs „Born In Xixax“ und auf Zuruf aus dem Publikum auch „Angel“ von Sarah McLachlan (ein Auszug, den sie anschließend immer wieder im Rahmenprogramm unterbrachte). Sie nahm aber auch freudig ein Regenbogentuch aus dem Publikum entgegen, das sie als „happy transflag“ bezeichnete. Dass sie nach dem ultimativen Höhepunkt von „Heavy Cross“ noch zu Klaus Meine mutierte und „Wings Of Change“ und danach noch kurz „We Are The World“ intonierte, war vielleicht des Guten etwas zu viel. Aber hej, was soll’s. Fazit: Alle lieben Beth Ditto. Schön, dass Gossip nach über zehn Jahren Pause mit dem mehr als ordentlichen Album „Real Power“ zurückgekehrt und wieder live zu erleben sind.    

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