Gløde: Ø – Albumreview

Gløde: Ø – Albumreview

 

Der nordische Geheimtipp des Herbstes

Wenn Independent-Band „unabhängig vom aktuellen Mainstream“ bedeutet, so kann man in diesem Kontext folgende Namen nennen: Simon Gløde, Martin Baumgartner, Julian Elsesser, Tom Gatza und Max Schneider. Zusammen sind sie Gløde, Hamburger Jungs, die mit ihrem Debütalbum „Ø“, was übrigens Insel bedeutet, sich locker mit Größen wie AnnenMayKantereit oder Isolation Berlin messen können. Nicht, dass sich ihr Stil mit den hiesigen Deutschrockgrößen gleichsetzen lässt. Hier kann man aufatmen, denn sie kreieren mit ihrer am 1.9. erschienenen LP einen vorwiegend englischen Sound, der sich abhebt.

Wer sind aber nun die Musiker mit dem durchgestrichenen O im Namen? Der Frontmann Simon Gløde ist Deutsch-Däne, daher natürlich der Name. “Die Musik, inspiriert vom Wasser, wurde auf einem ehemaligen Bauernhof an der dänischen Ostseeküste aufgenommen. Vor jeder Aufnahme gingen wir an den Strand, nahmen eine salzige Brise in unsere Lungen auf und spielten dann den Take“ so die Band. Klingt erstmal nach Naturburschen. Gløde aber sind so viel mehr. Die neun Songs auf „Ø“ wehen nicht in leichter Brise vorbei. Sie kommen im Sturm auf hohen Wellen daher geritten und das Ergebnis ist dann einfach nur ein ziemlich beeindruckendes geworden.

Sounds & Books_Gløde_CoverLeuchtend, außergewöhnlich, eindringlich. Jazzig, bluesig, folklastig sind die Kompositionen, lebensbejahend und mitreißend, musikalisch anspruchsvoll und vielfältig. Gepaart mit einer Stimme, die man im deutschsprachigem Raum vergeblich sucht. „Ø“ nimmt mit auf Gedankenreise. Der Track „Lady In A Dress“ passt zu einer Grammophon-Kultur. Spielerisch mit rauchigem Sound entführt er den Hörer in den Nachtclub der 1930er-Jahre. Mit „As We Speak“ konnten die fünf Musiker sich übrigens bereits in die Herzen einer breiteren Masse spielen und performten darüber hinaus z.B. auch in den 106Hz Studios in Hamburg. Als Schmankerl und für den, der es noch nördlicher als Hamburg mag, findet sich außerdem der dänische Song “Jeg vil elske“ auf dem Album.

Erstmal jedes Lied für sich stehend, bildet „Ø“ am Ende ein abgerundetes Konzept, eben wie die visuelle Gestaltung seines Namens selbst. Gløde sind sicher die heißeste Empfehlung für die kommende Herbstsaison und darüber hinaus. Das Album zeigt Größe und eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein, mit denen sich die fünf Künstler ganz schnell in das Beatgedächtnis des Körpers katapultieren und live ordentlich die Hörmuscheln zum Vibrieren bringen. Luft holen, Meeresluft atmen. Wie das geht? Herzlichen willkommen auf der Insel: Hier kommen Gløde.

„Ø“ von Gløde ist am 01.09.2017 in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Vertrieb Membran und dem Verlag Klangspeicher // Sony/ATV erschienen. Das Album ist über alle bekannte Verkaufskanäle erhältlich (Beitragsbild: Julien Fertl).

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