
Herr Wade: Aviophobie – Song des Tages
10. Februar 2026
van Kraut: Auch Scherben spiegeln – Song des Tages
11. Februar 2026„Oracle“ von Gary Peacock und Ralph Towner entfaltet sich ruhig und konzentriert, jenseits schneller Effekte. Die Wiederveröffentlichung dieses Werks wirkt so kurz nach Tod von Towner wie ein Vermächtnis
Am 18. Januar starb Ralph Towner im Alter von 85 Jahren. Zwei Tage vorher veröffentlicht ECM Records dieses Album im Rahmen der Luminessence-Reihe wieder. Klar, dass das das Wiederhören in ein neues Licht rückt. „Oracle“ wirkt heute wie ein konzentriertes Vermächtnis jener ästhetischen Haltung, die Towner über Jahrzehnte hinweg kultiviert hat. Als Instrumentalist entwickelte er für die klassische wie für die zwölfsaitige Gitarre eine eigenständige musikalische Sprache, die weniger linear als vielmehr polyphon gedacht war. Er selbst beschrieb seinen Zugang zum Instrument als „pianistisch“, getragen vom Wunsch, simultan auf ein weites harmonisches Feld zugreifen zu können. Als Komponist verband Towner barocke Kontrapunktik mit von brasilianischer Musik und der amerikanischen Jazztradition geprägten rhythmischen und melodischen Modellen und verfolgte dabei einen ausgesprochen persönlichen Ansatz in der harmonischen und melodischen Entwicklung seiner Werke.
Form, Material und kompositorische Dichte
Auf „Oracle“, 1993 aufgenommen und 1994 erstmals veröffentlicht, treffen diese ästhetischen Prinzipien auf das hochentwickelte Formbewusstsein des Kontrabassisten Gary Peacock, dessen Tod auch schon länger als fünf Jahre zurückliegt. Das Repertoire auf diesem Album setzt sich aus Kompositionen beider Musiker zusammen, die als offene Strukturen angelegt sind und reichlich Raum lassen für improvisatorische Erweiterungen. Die Musik entfaltet sich in klar konturierten, zugleich beweglichen Formen, in denen motivische Arbeit, harmonische Schichtung und rhythmische Verschiebungen eine bemerkenswerte innere
Logik entwickeln. Das Resultat ist eine kammermusikalische Klangarchitektur von großer Konzentration und Eleganz.
Dialogische Präzision und musikalische Interaktion
Mit Ralph Towner findet Gary Peacock zu einem lebendigen, offenen Dialog von außergewöhnlicher Feinheit. Wie selten in einer Duo-Aufnahme befinden sich beide Stimmen in permanenter Bewegung: Sie hören einander aufmerksam zu, antizipieren mögliche nächste Schritte und reagieren auf kleinste klangliche Andeutungen. Eigene musik…





