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21. August 2025Komplexer und besser denn je: Auch mit dem vierten Fall von Constable Paul Hirschhausen überzeugt Garry Disher auf ganzer Linie
von Gérard Otremba
Bob Dylan hat 1965 mit „Desolation Row“ einen seiner besten Songs überhaupt veröffentlicht, mit „Desolation Hill“ macht es ihm Garry Disher 60 Jahre später im literarischen Krimi-Genre nach und liefert einen seiner besten Romane so far. In „Desolation Hill“ taucht nach den ebenfalls von Sounds & Books rezensierten „Bitter Wash Road“, „Hope Hill Drive“ und „Barrier Highway“ wieder Constable Paul „Hirsch“ Hirschhausen auf, der im ersten Fall aus der Großstadt Adelaide die Provinz versetzt worden ist und sich mittlerweile, auch mit Hilfe seiner Freundin, der Lehrerin Wendy Street und ihrer Tochter Kate, in Tiverton und Umgebung recht wohl zu fühlen scheint.
Garry Disher und die Corona-Pandemie
Hirschhausen untersucht das Verschwinden des belgischen Backpackers Willi Van Sant, dessen Mutter Janne – in Brüssel als Forensikerin arbeitend – den Weg von Belgien nach Australien auf sich genommen hat, nachdem sie ihren Sohn nicht mehr erreichen konnte. Laut Sam und Mia Dryden, auf deren Farm Willi gearbeitet hat, habe er sich allgemeiner Beliebtheit erfreut mit seiner Freundin den Ort von einem auf den nächsten Tag verlassen. Aber wie weit kann sich Hirschhausen auf die Aussagen der Drydens verlassen? Garry Disher lässt die Story mitten in der Corona-Pandemie spielen und die Drydens haben im Eingangsbereich ihres Anwesens ein Schild mit der Aufschrift „UNGEIMPFTE SIND HIER WILLKOMMEN“ sowie dem Zusatz „Wir weigern uns, ungesetzliche Anweisungen einer Regierung durchzusetzen, die ihr Volk mit Mikrochips versehen will“ angebracht. Nicht nur die Drydens werden in vielerlei Hinsicht zum Problem.
Garry Disher verknüpft lose Fäden
Auch eine sich durch rassistische Äußerungen im Netz hervorhebende Aushilfskollegin in der Polizeistelle Redruth und ihr alte Menschen im Pflegeheim quälender Freund machen sich alles andere als beliebt bei Hirschhausen und seinen Kollegen. Darüber hinaus sorgen die Mitglieder der Mahon-Familie für Ärger und dann gibt es ja noch die Sache mit der männlichen Leiche im Kofferraum eines Wagens. Natürlich hängt alles miteinander zusammen und wie Garry Disher die zunächst losen Fäden verknüpft gehört zur großen Krimi-Kunst. In Paul Hirschhausen hat der australische Genre-Meister eine ermittelnde Figur erfunden, der aufgrund des Dienstgrades schnell die Grenzen gesetzt sind. Trotzdem gerät „Hirsch“ stets in den Sog der Ereignisse und bleibt die zentrale Person in der Aufklärung der Fälle.
Famoses Gesellschaftsportrait
Wie die Hirschhausen-Vorgänger-Romane lebt auch „Desolation Hill“ von Dishers Beschreibungen des Alltags seines Protagonisten, bis zu zehn Stunden dauernde Patrouillentage im Outback, die der 1949 geborene Autor für großartige Landschaftsbeschreibungen nutzt. Routinearbeiten, bei denen Paul Hirschhausen häufig als Helfer, Zuhörer und Ratgeber fungiert und auch hier manchmal schneller an seine Grenzen stößt, als ihm lieb ist. Letztendlich entpuppt sich „Desolation Hill“ als ein famoses Gesellschaftsportrait im Krimi-Gewand. Ein echter Garry Disher. Komplexer und besser denn je.
Garry Disher: „Desolation Hill“, Unionsverlag, übersetzt von Peter Torberg, Hardcover, 352 Seiten, 978-3-293-00599-0, 24 Euro. (Beitragsbild von Darren James)





