Freelance Whales und Broken Records live in Hamburg

Freelance Whales und Broken Records live in Hamburg

Spielerischer Pop

von Gérard Otremba

„Don’t fix my smile, life is long enough, we will put this flesh into the ground again“. Dieser ständig wiederkehrende und abschließende Chorus aus „Generator 2nd Floor“, dem letzten Song der Freelance Whales vor der Zugabe, bleibt einfach sofort im Gedächtnis haften. Man nimmt ihn gut gelaunt aus dem Konzert mit auf den Nachhauseweg, summt und singt ihn vor sich hin und freut sich des Lebens. Die eingängige Melodie des knuffigsten Songs ihres Debütalbums „Weathervanes“ ist an Catchyness kaum zu überbieten und setzt sich sofort in den Gehörgängen fest. In der Live-Version am Montag, 7.2.2011, im Hamburger Indie-Club Molotow klingt dieser Song, als ob Mumford & Sons den ultimativen Pakt mit den Byrds eingegangen wären. Das einleitenden Banjo, das ausklingende Glockenspiel und beseelte Harmoniegesänge lassen aufhorchen und bringen frischen Wind in den aktuellen Folk-Pop.

Die Freelance Whales und ihre Detailversessenheit

Die Faszination, die von den Feelance Whales ausgeht, liegt natürlich in ihrer Detailversessenheit. Auffällig die häufigen Instrumentenwechsel der einzelnen Bandmitglieder, vor allem in der Kürze der Zeit – das Konzert dauert eine knappe Stunde. Bis auf Schlagzeuger Jake Hyman tauschen Songwriter Judah Dadone, Doris Cellar, Kevin Read und Chuck Criss kräftig die Gitarren, Banjos, Glockenspiele und Keyboards durch und bringen ihre persönlichen Note ins Spiel. Und so stehen mal wie bei „Generator 1st Floor“ und „Generator 2nd Floor“ das Glockenspiel und das Banjo im Mittelpunkt, während es bei „Starring“ und „Kilojoules“ gar prächtig aus dem Keyboard spuckt und fiept. Bei dem Freelance-Whales-Gig im gemütlich voll gefüllten Molotow ist immer was los auf der kleinen Bühne, hier kommt niemand zur Ruhe.

Große Popmomente mit und ohne Glockenspiel

Aus dem guten Dutzend wundervoller Songs stechen an diesem Abend neben „Generator 2nd Floor“ sicherlich noch „Ghosting“ und „Location“ heraus. „Location“ hält die perfekte Balance aus elegischen Keyboard-Teppichen und dem Einsatz der akustischen Gitarre. Große Popmomente. „Ghosting“ wiederum ist eine wunderschöne Ballade, ganz zart beginnend und sich opulent im Harmoniegesang wiederfindend. Süchtig machend. Ganz ohne die markanten Instrumente und auf die herkömmlichen Mittel Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard, Gesang vertrauend kommt der neue Song „Enzymes“ aus. Hier kommt dann auch mal die E-Gitarre ohne Rockismen voll zum Zug, das Schlagzeug treibt den Song vorwärts und über allem schweben Judah Dadone und Doris Cellar mit ihren herrlich verträumten Leadvocals. Das ist Indie-Pop vom Feinsten, den die aus Queens, New York, stammenden Freelance Whales den Besuchern im Molotow bieten. Diese Band sollte man sich merken.

Opulenter Pathos der schottischen Band Broken Records

Als Co-Headliner tritt vorab die schottische Band Broken Records vor das Hamburger Publikum und erobert es im Sturm. Das Sextett aus Edinburgh um Sänger und Gitarrist Jamie Sutherland spielt einen gitarrenorientierten Pop-Rock, der schnell zum Tanzen animiert und eine überbordende Gefühlsskala auslotet. Das ist teilweise pompöser, pathostriefender Pop, der Weltschmerz tropft von der Bühne, alles sehr opulent ausgestattet, irgendwo zwischen Coldplay und The National. Mit Violine und dem gelegentlichen Einsatz einer Trompete betten die Jungs folkloristische Elemente in ihre Kompositionen ein, so dass immer wieder auch leisere Töne zu hören sind. Größtenteils jedoch schwelgen sie in großen, ausladenden Gefühlen. Breitwand-Pop-Rock.

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