Franz Ferdinand: Right Thoughts, Right Words, Right Action

Franz Ferdinand finden den Groove wieder

von Gérard Otremba

Franz Ferdinand werden natürlich mit jeder neuen Veröffentlichung an ihrem selbstbetitelten Debutalbum gemessen. Damit hängen die Trauben sehr hoch, denn Franz Ferdinand schlug 2004 eine wie eine Bombe und von den damals elf veröffentlichten Songs waren gefühlt 14 Hits dabei. Man erinnere sich nur an „The Dark Of The Matinée“, „Darts Of Pleasure“, „Take Me Out“ oder „Micheal“. Die Songs gingen ab wie Schmidts Katze, das ganze Album eine rauschhafte Party. Ein absolut irres Erstlingswerk, mit das beste Debut der Rock-Pop-Geschichte. Das Zweitwerk You Could Have It So Much Better konnte ja gar nicht so fulminant ausfallen, hatte mit „The Fallen“ und besonders „Do You Want To“ zwei der bis dato besten Franz Ferdinand-Stücke im Programm. Für das dritte Album Tonight: Franz Ferdinand ließen sich Alex Kapranos, Nick McCarthy, Paul Thomas und Robert Hardy vier Jahre Zeit, doch die 2009 erschienene Patte wirkte vergleichsweise blutleer und konturlos. Diesen Eindruck konnten auch Songs wie „Ulysses“ und „No You Girls“ nicht wirklich entschärfen. Die Angst ging um, Franz Ferdinand könnten ähnlich in der Versenkung verschwinden wie The Strokes, die mit ihrem Debut Is This It 2001 für einen ähnlichen Furor sorgten, nur um danach im Mittelmaß stecken zu bleiben. Erneut dauerte es vier Jahre, bis nun Right Thoughts, Right Words, Right Action erschienen ist. Die vier Glasgower sind auf Right Thoughts definitiv präsenter als bei Tonight.

Bereits der Eröffnungstrack „Right Action“ groovt locker, leicht und beschwingt, die Gitarren mit dem Keyboard wieder im Vordergrund vereint, so wollen wir das hören. Ein ähnlich unbeschwerter Rock-Pop-Song wie „Love Illumination“, mit einem Saxophon verziert, erweckt in seiner Dringlichkeit Erinnerungen an „Michael“. „Stand On The Horizon“ hat eine dieser typischen, catchy Franz Ferdinand-Melodien mit viel Disco-Soul-Pop-Appeal, der sofort in die Beine geht und durch die von Owen Pallett arrangierten Streicher veredelt wird. Und mit dem treibenden „Bullet“ gelingt Franz Ferdinand die ultimative Antwort auf „Darts Of Pleasure“. Da ist sie wieder, diese perfekte Verbindung zwischen New Wave und Sixties Pop, die das Debutalbum schon so aufregend gemacht hat. Ein funky-Disco-Sound („Evil Eye“), ein weicher Reggea-Rhythmus („Brief Encounters“) sowie der leichte Hang ins Psychedelische („Fresh Strawberries“, „Treason! Animals“, „The Universe Expanded“) machen Right Thoughts zu einem angenehm abwechslungsreichen Album. Wie dichtet Alex Kapranos im Abschlusstrack „Goodbye Lovers & Friends“: „Don’t play pop music / You know I hate pop music“. Nein, nein, Alex, das kann nicht sein. Du liebst Popmusik und wir lieben Franz Ferdinand.

Right Thoughts, Right Words, Right Action von Franz Ferdinand ist am 23.08.201 bei Domino erschienen.


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