Franz Ferdinand live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Franz Ferdinand live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Die schottische Indie-Rock-Band Franz Ferdinand zum ersten Mal in neuer Besetzung live in Hamburg

Nachdem Gitarrist und Keyboarder Nick McCarthy Franz Ferdinand verlassen hatte, verlor Frontmann Alex Kapranos seinen kongenialen Songschreiberpartner. Häufig hatten schwergewichtige Abgänge dieser Art in der Musikhistorie den Bandsplit zur Folge. Doch mit Schlagzeuger Paul Thomson und Bassist Robert Hardy beschloss Kapranos Franz Ferdinand am Leben zu erhalten und holte sich als Ersatz und Verstärkung den Gitarristen Dino Bardot und den Keyboarder Julian Corrie ins Boot. Der Neubeginn startete mit dem fünften, in diesem Magazin besprochenen Studioalbum Always Ascending. Auf ihrer derzeitigen Europa-Tournee gastierten Franz Ferdinand am 01.03.2018 im vollen Hamburger Mehr! Theater am Großmarkt.

Letztendlich hielten sich die neuen Songs, die knapp die Hälfte der Setlist füllten, tapfer. Schließlich lässt es sich auf die meisten der Always Ascending-Tracks genauso gut tanzen, wie auf die zahlreichen Bandklassiker. Und so gerieten die Fans bereits mit dem Titelstück, das wie auf Platte auch an erster Stelle des Konzertes stand, sofort mächtig in Wallung. Allerdings folgte anschließend ein Erdbeben mit dem Titel „Do You Want To“ und machte den Electro-Disco-Pop von „Always Ascending“ fast schon wieder vergessen. Live dominieren bei Franz Ferdinand immer noch die Gitarren und da fehlt den aktuellen Songs „Paper Pages“ und „Lois Lane“ einfach der Punch, der Killerinstinkt, um auf der Bühne so zu explodieren wie „The Dark Of The Matinée“, das Franz Ferdinand an vierter Position platzierten.

Wesentlich besser funktionierten das funkige, sehr schnittige „Lazy Boy“ sowie der strahlende Disco-Pop von „Glimpse Of Love“. Immer wieder entzieht sich Alex Kapranos seiner Gitarre und zeigt sich von seiner exaltierten Seite, wenn er stolziert, hüpft, gestikuliert und mit dem Publikum kommuniziert. Zum absoluten Brecher-Song des abends entwickelte sich, wie könnte es anders sein, das pulsierende und an Verve nicht zu überbietende, phänomenale „Take Me Out“. Wer bei diesem Song noch ruhig sitzen oder stehen konnte, hat die Musik von Franz Ferdinand nicht verstanden. Bardot und Corrie waren bestens integriert und spielten so euphorisch, als ob sie schon seit 2004 dazugehörten. „Michael“ unterzogen die neuen Franz Ferdinand einer Generalüberholung, plötzlich klang der vierzehn Jahre alte Song wie auf Speed.

Nach einem explosiven „Love Illumination“ und einem souveränen „Ulysses“ verließen Franz Ferdinand bereits nach circa 60 Minuten die Bühne und kehrten für vier Zugaben zurück, die sie zwecks Bandvorstellung und Spielereien mit den Fans arg in die Länge zogen. Aber es waren starke Zugaben, das wunderbar groovende „Feel The Love“ Go“, das vorwärtsgepeitschte „Darts Of Pleasure“, das gewaltige „Huck And Jim“ sowie das ein Feuerwerk abbrennende „This Fire“. Natürlich ist das Debütalbum von Franz Ferdinand  immer noch ihr bestes, die Messlatte wurde damals so hoch gelegt, im Prinzip völlig unmöglich, da drüber zu springen. Immerhin spielte das Quintett bei ihrem Auftritt in Hamburg noch fünf Songs daraus. Bandnostalgiker konnten zufrieden den Heimweg durch die fürchterlich kalte Hansestadt antreten, und alle anderen Konzertbesucher schienen ebenfalls viel Freude gehabt zu haben.

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.