Flowerpornoes: Morgenstimmung – Albumreview

Flowerpornoes: Morgenstimmung – Albumreview

Tom Liwa und seine Flowerpornoes schreiben mit „Morgenstimmung“ ein weiteres wichtiges Kapitel der deutschen Rockgeschichte

Erst vor einem halben Jahr brachte Tom Liwa sein letztes, von uns an dieser Stelle besprochenes Solo-Album „Der, den mein Freud kannte“ heraus. Der 1961 in Duisburg geborene Songwriter verblüffte mit einer Platte mit in einem schwebenden Ambient-Sound gehaltenen Songs zum Thema Sterben, die seine kauzige Einzigartigkeit in der hiesigen Musikwelt unterstrich. Diese pflegt Tom Liwa bereits seit Mitte der 80er Jahre, als er die Flowerpornoes gründete, den deutschen Indie-Alternative-Rock prägte, aber nie wirklich vom 90er-Jahre-Boom, der Bands wie Tocotronic und Blumfeld nach oben spülte, profitieren konnte. Mitte der 90er war dann auch erst mal Schluss, bevor Liwa zehn Jahre später ein Comeback einläutete, das 2015 im Album „Umsonst & Draußen“ gipfelte.

Die Flowerpornoes zwischen Crazy Horse und Blumfeld

Flowerpornoes Morgenstimmung Cover

Nun kehren Tom Liwa (Gesang, Gitarre), Giuseppe Mautone (Schlagzeug), Birgit Quentmeier (Keyboards) und Markus Steinebach (Bass) mit dem neuen Longplayer „Morgenstimmung“ so lebendig und ausgelassen wie lange nicht mehr zurück. Und auch so laut wie lange nicht mehr. „Morgenstimmung“ wirkt im Vergleich zu „Draußen & Umsonst“ roh und unbehauen und überrascht und erfreut mit einem garagenhaften Jam-Session-Live-Sound. Die Flowerpornoes klingen manchmal wie eine aufgekratzte Version von Neil Youngs Begleitband Crazy Horse („Leben wie ein Prinz“) und manchmal wie direkt aus dem Blumfeld-Umfeld des Jahres 1992 („Mamas Welt“).

Top-Highlights des Albums

Sie gönnen sich aber auch große Songwriter-Indie-Pop-Momente wie bei „Too Much Coca Cola“, zu dem die Sängerin des Indie-Dream-Art-Pop-Duos The Lost Verses und Sounds & Books-Mitarbeiterin Britta Caspers Text und Gesang  beisteuert und mit Liwa perfekt duettiert. Die liebreizend-poetischen, an The Go-Betweens erinnernden Strophen korrespondieren herrlich mit den hymnischen Refrains. Nicht nur ein absoluter Höhepunkt des Albums, sondern sicherlich auch des deutschsprachigen Musikjahres 2021. Das gilt ebenso für das gesamte Album, das mit dem politisch motivierten, musikalisch The Who evozierenden „Konterrevolutionär“ und dem verschleppt-dräuenden und düsteren „Krishna Mond“ weitere Top-Highlights im Programm führt. Tom Liwa und seine Flowerpornoes schreiben mit „Morgenstimmung“ ein weiteres wichtiges Kapitel der deutschen Rockgeschichte.

„Morgenstimmung“ von Flowerpornoes erscheint am 26.05.2021 und ist ausschließlich über Tom Liwas Bandcampseite erhältlich. (Beitragsbild von Eike Hefe)             

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