Fenne Lily live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Fenne Lily live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Traurige Songs der sympathischen Fenne Lily

Fenne Lily ist zweifellos eine Anwärterin auf den Titel „Newcomer des Jahres“. Die 20-jährige englische Songwriterin hinterließ mit ihrem Debütalbum On Hold nicht nur bei Sounds & Books mächtigen Eindruck und befindet sich momentan auf Deutschlandtour. Mit den Songs ihres Albums im Gepäck gastierte Fenne Lily am 25.04.2018 im Hamburger Nochtspeicher. Mitgebracht hat sie auch den ebenfalls aus ihrem Wohnort Bristol stammenden Tamu Massif als Support.

Hinter dem Moniker Tamu Massif verbirgt sich der Musiker Dave Dixon, der sich nach einem inaktiven, submarinen Vulkan im Pazifischen Ozean benannt hat. Den Namen wählte er, um nicht sofort als Singer-Songwriter identifiziert zu werden und mehr nach einer Gang zu klingen, wie er einem Kollegen der britischen Presse mitteilte. Ein Songwriter bleibt Tamu Massif jedoch trotzdem. Mit E-Gitarre, Laptop und Loopstation zauberte er während seines Support-Gigs einige faszinierende Klänge aus Soundeffekten, sanften Beats und Grooves, sphärischen Lauten, liebevollem Gitarrenpicking, TripHop-Elementen und Dream-Pop-Anleihen. Ein interessanter Auftritt eines sympathischen jungen Musikers.

Als sympathische Person entpuppte sich auch Fenne Lily, die ihre Fans zwischen den einzelnen Songs mit unterhaltsamen, manchmal selbstironischen Ansagen bei Laune hielt. Fenne Lily bot keine introvertierte Show, wie von Cat Power in jungen Jahren bekannt, keine griesgrämigen Racheattacken an den Ex-Partner, obwohl sich die Aufarbeitung der Trennung als roter Faden durch einige ihrer Songs auf On Hold zieht. Aber Fenne Lily ist gut drauf, es habe lange gedauert, bis das Album erscheinen konnte, aber jetzt sei sie glücklich. Die Kunst als Therapie, es hat mal wieder geholfen, Fenne Lily selbst und sicher vielen anderen, die in ihren Songs Trost finden.

Die Wut, aus der die Songs entstanden, verpackte Fenne Lily in Traurigkeit und Anmut. Bei ihrem Konzert im Hamburger Nochtspeicher spielte sie alle Songs von On Hold, in sich versunken, häufig mit geschlossen Augen trug Fenne Lily die fragilen, sehnsüchtigen und melancholischen Lieder vor, vom Opener „What’s Good“, über „The Hand You Deal“, bis hin zu „For A While“. Dezent begleitet von Bass und Schlagzeug, zupfte Lily meist andächtig an E-, oder akustischer Gitarre und sang schwermütig ihre wunderschönen Songs: großartigen Indie-Pop („Car Park“), munteren Folk-Pop („Bud“) und „More Than You Know“ erhielt live noch eine Spur Jazz-Lounge-Charakter.

Der Titeltrack „On Hold“, wie zu erwarten, ein weiteres Highlight, danach verabschiedeten sich Fenne Lily mit dem lieblich beginnenden und rockig endeten „For A While“. Als erste Zugabe dann die beeindruckende Solo-Performance von „Top To Toe“, von Fenne Lily als Song über „the late blooming child“ in ihr angekündigt. Ein flottes Angel Olsen-Cover („Unfucktheworld“) schloss sich an, bevor das 60-minütige Konzert mit dem an Marika Hackman erinnernden „Like That Man“ endete. Fenne Lily ist eine der großen Entdeckungen des Jahres, wir freuen uns auf die nächsten Karriereschritte.

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