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2. Juni 2026Mit einem Gastauftritt bei den Gorillaz wurde Fatoumata Diawara auch vielen Popfans bekannt. Ihr neues Album ist ein Worldmusic-Meisterstück.
von Werner Herpell
Der Moment, in dem mich Fatoumata Diawara zum ersten Mal verzauberte, lässt sich unschwer datieren. Es war der 27. Februar 2020, bei mir in Berlin vermutlich ein grauer Wintertag (und es sollte kurz danach mit der Covid-Pandemie alles noch viel grauer werden) – jedenfalls lief auf Youtube ganz frisch das neue Songvideo „Désolé“ von den Gorillaz, einem meiner Lieblings-Bandprojekte. Darin flitzte der große Pop-Zauberer Damon Albarn ziemlich cool am Lenkrad eines Motorbootes über den Comer See in Italien – neben sich diese mir damals noch unbekannte, bunt gekleidete, fröhlich lachende, einfach nur wunderschöne afrikanische Sängerin, deren kraftvolle Stimme in ihrer Heimatsprache Worte sang, die ich nicht verstand, deren Klang mich aber sofort betörte.
Nach „London Ko“ bezaubert auch „Massa“
Mit dem Lied „Désolé“ hatte mich Fatoumata Diawara am 27. Februar 2020 für sich gewonnen – vermutlich auf ewig. Ihr neues Album „Massa“ untermauert nämlich zweifelsfrei, dass dies eine lang anhaltende Fan-Beziehung ist. Schon der Vorgänger „London Ko“ deutete vor drei Jahren darauf hin, dass die 1982 im westafrikanischen Krisenstaat Mali geborene Singer-Songwriterin und Gitarristin ein Worldmusic-Weltstar wird. „Wie man aufmunternde Lebensfreude und wichtige politische Botschaften verbinden kann, zeigte 2023 auf Platte und im Konzert niemand so kongenial wie Fatoumata Diawara“, schrieb ich damals zu ihrem Top-Ten-Platz in meiner Jahresbestenliste. „Was für eine starke Frau, was für eine tolle Musikerin.“
Nun ist es natürlich keineswegs ein Selbstläufer, mehreren gefeierten Platten (Diawaras Debütalbum „Fatou“ stammt von 2011) immer wieder neue Highlights folgen zu lassen. „Massa“ ist, nach dem mit Stars wie Damon Albarn, Roberto Fonseca (Buena Vista Social Club) und Angie Stone eingespielten „London Ko“, auf den ersten Blick etwas kleinformatiger. Allerdings gibt es ohne große Promi-Auftritte auch weniger Ablenkung von der Protagonistin selbst: Diese zwölf Songs kreisen komplett um die (pracht)volle Stimme und das fabelhafte E- und Akustikgitarrenspiel der 44-jährigen mit der (laut Cover-Artwork) blau gefärbten Zöpfchen-Frisur.
Funky Gitarren und eine fantastische Stimme
Schon der Opener „Djanne“, geprägt von einer sehr funky gespielten Gitarre (in diesem Fall von ihrem wichtigsten Mitstreiter Matthieu Chedie alias -M-), zieht sofort in seinen Bann – und hinein in eine Platte, die den Rhythmus und die Melodie gleichermaßen feiert. Das Disco-Stück „Mogo“ und der grandiose zentrale Titelsong knüpfen da direkt an – die Gitarren-Grooves könnten glatt aus der Nile Rodgers/Chic-Soundküche der 70er oder aus der Fela-Kuti-Band stammen. Auch davor und danach kennt Fatoumata Diawara wie gewohnt keine Genre-Grenzen – Afrobeat, Jazz, Reggae, Funk, Electro, Folk, Pop, Rock und Mandinka-Rhythmen werden zu einem stimmigen, geschmeidigen, oft extrem tanzbaren Cocktail verquirlt, der in diesen warmen Sommermonaten aus vielen Lautsprechern schallen sollte.
Fatoumata Diawara sieht sich freilich auch als sozial engagierte Künstlerin, die nicht nur Beine in Bewegung bringen, sondern ebenso Herz und Hirn berühren will. „Massa“ ist also gleichermaßen persönlich und politisch grundiert, fürs bessere Verständnis der Texte gibt es zu jedem Lied französische und englische Liner Notes. Das Album behandele „das Thema der richtigen Balance in ihrem Leben als Künstlerin und als Mutter sowie die Missstände in unserer Gesellschaft, den Verfall menschlicher Beziehungen, Verrat, Enttäuschung und Eifersucht, vor allem in polygam lebenden Familien“, schreibt das Label Nø Førmat!. „In ihren Reflexionen lädt Diawara ihre sehr unterschiedlichen Hörer und Hörerinnen dazu ein, das Leben wertzuschätzen, statt sich im Groll zu verlieren (…).“
Fatoumata Diawara bald auf deutschen Bühnen
Touché! Meine Verehrung für Fatoumata Diawara wächst mit jeder neuen Platte. Ist „Massa“ also das beste Worldmusic/Global-Pop-Album dieses Jahres? Sieht ganz so aus. Jetzt freue ich mich noch mehr auf ihre Deutschland-Konzerte: Am 15.08.2026 tritt sie in Hamburg (Elbphilharmonie) auf, am 09.11.2026 bei den Jazztagen Leverkusen (Forum), am 15.11.2026 in München (Muffathalle), am 22.11.2026 in Berlin (Festsaal Kreuzberg).
Das Album „Massa“ von Fatoumata Diawara erscheint am 05.06.2026 bei Nø Førmat!. (Beitragsbild von Marcello Perego)





