False Lefty vereinen verträumte Wildheit mit Anti-Mainstream-Attitüde, ihr Sound schwebt leicht melancholisch wie Sonnenlicht, das auf feinem Staub glitzert.
von Mia Lada-Klein
False Lefty sind seit 2022 unterwegs und haben sich dabei ein kleines Universum aus Indie, Shoegaze, Post Punk und Alternative zurechtgezurrt. Aber nicht mit bombastischem Equipment, sondern mit einer erfrischend reduzierten Grundausstattung aus zwei Stimmen, drei Saiten und drei Trommeln. Das klingt erst einmal nach Minimalismus Challenge, fühlt sich aber eher wie der Beginn eines kunstvollen Experiments an, bei dem Musik und Poesie verschmelzen.
Jetzt erscheint ihr Debütalbum „Time Will Tell“, und schon der Opener „Throwing Words“ führt zart in die verwinkelte Welt von False Lefty hinein. Überraschend unaufdringlich, überraschend stimmig. Man könnte glatt vergessen, dass hier technisch kaum etwas im Überfluss vorhanden ist, denn fehlen tut rein gar nichts.
Mit „Admit Defeat“ steigt dann der Puls. Ein bisschen mehr Druck auf den Trommeln, ein Stückchen mehr Energie, ein Aufbau, der sich elegant und fast unmerklich steigert. „Daddy“ kommt anschließend überraschend um die Ecke. Edgy, unkonventionell, fast rockig und gleichzeitig wunderbar eingängig. Die dissonanten Töne, die fröhlich durchs Klangbild flirren, wirken dabei wie bewusst gesetzte Stolpersteine, die zeigen, wie selbstbewusst dieses Duo seine eigene Ästhetik auslegt.
False Lefty: Wenn Reduktion größer klingt als Überfluss
Was False Lefty hier servieren, bewegt sich auf einem erstaunlich hohen Niveau. Vielleicht gerade deshalb, weil sie konsequent dem aalglatten Sound entkommen, der ansonsten durch viele Produktionen wabert. Ihr Ansatz klingt nicht nach Weglassen, sondern nach Fokussieren. Statt künstlicher Fülle gibt es fast cineastische Klarheit. Viele Songs scheinen sich erst schüchtern aufzubauen, um dann plötzlich aufzublühen. Das erinnert an Bands, die genau wissen, wie man Spannung inszeniert. Wer an dieser Stelle an Coldplay denkt, liegt nicht komplett daneben. Allerdings haben False Lefty nicht diesen Mainstream-Anstrich. Sie wirken eher wie der wilde Cousin, der Kunst studiert hat.
„You Don’t Know Your Name“ wandert schließlich ins Shoegaze Gelände und bringt dieses herrlich flirrende Kellergewölbe-Gefühl mit sich. Ein Song, der eher Bilder malt als Melodien abspult. Hier drängen sich dann Vergleiche mit Velvet Underground auf. Und mal ehrlich, wenn ein Debütalbum Assoziationen an Velvet Underground und Coldplay gleichzeitig aufruft, ist das eine ziemlich ordentliche Ausgangsposition.
Zwischen Sternenstaub und Staubschicht
Einen Favoriten auszuwählen, ist fast unfair, denn das Album ist erstaunlich homogen gut. Aber „The Cake“, auch als Video draußen, gehört definitiv zu den Stücken, die hängen bleiben.
False Lefty sind verträumt, ein wenig wild, purer Indie und stets umweht von einem Hauch Melancholie. Fast so, als läge ein kleiner dunkler Schleier über den Songs, eine feine Staubschicht, die im Licht glitzert und alles ein bisschen magischer macht.
False Lefty zeigen, wie stark reduzierte Musik wirken kann, wenn sie kunstvoll arrangiert wird. Kopfkino inklusive. Wer Indie liebt, wer Kunst in Musikform sucht, wer echte Songs mag, die nicht nach überproduziertem Gedröhne klingen, wird mit False Lefty eine ziemlich gute Zeit haben.
False Lefty veröffentlichen „Time Will Tell“ am 28. November via Haldern Pop. (Beitragsbild Michelle Jekel)
