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15. Januar 2026Ein zeitloses Meisterwerk: „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald in einer neu editierten Jubiläumsausgabe bei Manesse
von Gérard Otremba
Ehre, wem Ehre gebührt. Zum 100. Geburtstag des Romans „Der Große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald hat der Manesse-Verlag letztes Jahr eine neue Übersetzung von Bernhard Robben herausgebracht. Nicht nur verleiht Robben (u.a. bekannt durch seine Ian-McEwan-Übersetzungen bei Diogenes) dem hundert Jahre alten Text neuen Glanz, auch punktet diese Jubiläumsausgabe mit einem 150-seitigen Anhang, zu dem zahlreiche Korrespondenzen Fitzgeralds von 1922 bis zu seinem Tod 1940 gehören. Des Weiteren ein Nachwort von Claudius Seidel, eine editorische Notiz von Manesse-Verleger Horst Lauinger, diverse ältere „Gatsby“-Besprechungen, ein Personenglossar sowie eine Zeittafel.
Der große Gatsby und die Gerüchte
Auf nur 170 Seiten erzählt F. Scott Fitzgerald aus der Sicht des Börsenmaklers Nick Carraway die Geschichte von James Getz, der sich Jay Gatsby nennt und in den frühen 20-Jahren rauschhafte Partys in seiner Villa in West Egg auf Long Island feiert. Carraway wird nach seiner Ankunft in New York der Nachbar Gatsbys und entwickelt eine gewisse Obsession für den dandyhaften und geheimnisumwitterten Neureichen, von dem keiner so genau weiß, wie er zu seinem Vermögen gekommen ist (vielleicht mit Alkoholschmuggel) und über den das Gerücht in Umlauf gebracht wird, er sei sogar ein Mörder. Wie Gatsby stammt auch Carraway aus dem Mittleren Westen, genau wie seine Cousine Daisy, in die sich Gatsby noch vor seiner finanziellen Kariere und vor seinem Einsatz im 1. Weltkrieg verliebt.
F. Scott Fitzgerald und der American Dream
Daisy ist im Jahr 1922, in dem die F. Scott Fitzgerald seine Story ansiedelt, mit dem reichen und angeberischen Sportsmann Tom Buchanan, einem Studienkamerad Carraways, verheiratet und wohnt samt kleiner Tochter ebenfalls auf Long Island (East Egg) in unmittelbarer Nähe Gatsbys. Nach einem von Carraway auf die Bitte Gatsbys arrangierten Treffen mit Daisy verlieben sich die beiden wieder ineinander. Doch während Tom Buchannan schon länger eine Affäre mit der Frau eines Tankwarts hat, gesteht er Daisy ähnlich geartete Freiheiten nicht zu. Das Drama nimmt seinen Lauf, die Ereignisse überschlagen sich und es kommt zur großen Tragödie und Katastrophe.
F. Scott Fitzgerald hat mit seinem berühmtesten und einige Male verfilmten Roman ein Lehrstück in Sachen American Dream, respektive seines Scheiterns verfasst. Zwar verkörpert Gatsby mit seinem ganzen Prunk den amerikanischen Traum, doch der Reichtum dient ihm letztlich lediglich als Mittel zum Zweck, um bei Daisy zu punkten. Er bleibt ein illusionsbehafteter Romantiker, dessen Einsamkeit sogar bei den Partys in seiner Villa spürbar wird.
Ein zeitloser Roman
Fitzgerald fängt den Zeitgeist der frühen „roaring twenties“ auf verengten Raum grandios ein. Zeitlos bleibt „Der große Gatsby“ indes sowohl aufgrund seiner gesellschaftspolitischen Hintergründe, als auch aufgrund der fabelhaft ausgeloteten psychologischen Dimensionen in der Figur des Jay Gatsby. Bei der Veröffentlichung 1925 blieben die Verkäufe und somit die Aufmerksamkeit noch hinter den Erwartungen des bereits bekannten Autors zurück. Erst nach seinem Tod und nach dem 2. Weltkrieg erhielt „Der große Gatsby“ den gebührenden Ruhm. Zweifellos ein Meisterwerk, das mit der Manesse-Jubiläumsausgabe ein glanzvolles Denkmal erhält.
F. Scott Fitzgerald: „Der große Gatsby“, Manesse, übersetzt von Bernhard Robben, Hardcover, 352 Seiten, 978-3-7175-2574-5, 30 Euro (Beitragsbild: Buchcover)





