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22. April 2024Musik wie eine warme Sommerbrise: Der Norweger Erlend Øye findet für seine federleichten Lieder Inspiration in Süditalien und beim Latin-Pop.
von Werner Herpell
Der Weg zu diesem Debütalbum war lang und verschlungen. Manche der 13 Songs reichen fast acht Jahre zurück, ein Lied spiegelt schon im Titel „Lockdown Blues“ die Umstände seiner Entstehung in Covid-Krisenzeiten wider (klingt aber ganz und gar nicht trist). Video-Schnipsel und Live-Aufnahmen zur Musik von Erlend Øye & La Comitiva gibt’s schon einige, eine EP wurde irgendwann auch ins Netz gestellt – aber erst jetzt nimmt das norwegisch-italienische Projekt mit viel Liebe zu sommerlichen Pop-Sounds so richtig Gestalt an: „La Comitiva“ ist eine herrliche Gute-Laune-Platte geworden, der hoffentlich noch viele Kooperationen von Øye, dem Sizilianer Luigi Orofino und ihren Mitmusikern folgen werden.
Ein Norweger, der fast mediterran klingt
Das inzwischen gut abgehangene
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Motto von Erlend Øyes erster bekannter Band könnte ebenso über dem neuen Werk des ewig jungenhaft wirkenden Mannes aus Bergen an der Küste Norwegens stehen: „Quiet Is The New Loud“ hieß die wunderbare Platte der Kings Of Convenience, 23 Jahre ist das inzwischen her. Bereits damals wunderte man sich, wie zwei junge Musiker (neben Øye noch sein Schulfreund Eirik Glambek Bøe) aus einem eher kühlen, eigentlich zur skandinavischen Schwermut neigenden Land auf einen so warmen, federleichten, fast mediterranen Klang verfallen waren, der ja ganz wenig mit eisigen Polarnächten und sehr viel mit Simon & Garfunkel zu tun hatte.
Im Nachfolgeprojekt The Whitest Boy Alive mischte Erlend Øye sanften Electro-Pop und Dance-Beats hinzu. Mit einer isländischen Reggae-Band (!) nahm er 2014 das Album „Legao“ auf, ehe er beim Comeback der Kings Of Convenience vor drei Jahren verstärkt Stilelemente von Samba und Bossa Nova integrierte. Nächstes Jahr wird der Sänger und Songwriter runde 50 – und seine Suche nach weiter südlich gelegenen Inspirationen geht offenkundig weiter.
Øye-Vocals auf Italienisch und Englisch
Eben mit der Platte „La Comitiva“, auf der Øye hauchzarte Vocals auf Italienisch und Englisch sowie lässige Instrumentalstücke mit Latin-Grooves, Mariachi oder Bolero kombiniert. Aus Gitarre, Ukulele, Bass, Cavaquinho, Gitarron, Posaune, Flöte, Trompete, Horn, Percussions und Gesang bastelt das Softpop-Projekt charmante, melodieselige Lieder mit Titeln wie „Matrimonio di Ruggiero“, „Valdivia“ oder „Bologna“.
Der Bandname La Comitiva sei „ein antiquierter Ausdruck im Italienischen, der die Menschen beschreibt, mit denen man regelmäßig zusammen ist“, teilt uns die Band mit. Vor allem sizilianische, kubanische, kolumbianische, mexikanische und brasilianische Lieder seien die Basis des freundschaftlichen Musizierens in Siracusa auf Sizilien gewesen, sie legten 2016 den Grundstein. 2018 plante Øye dann eine kurze Solo-Akustik-Tournee durch Südamerika und lud seine italienischen Freunde ein, ihn zu begleiten. Die Band La Comitiva wuchs während der Tournee durch Chile, Argentinien, Kolumbien und Mexiko so richtig zusammen, einige jetzt auf dem Debüt-Longplayer veröffentlichte Stücke wie etwa das prächtige „For The Time Being“ oder „Paradiso“ entstanden bereits dort.
Erlend Øye & La Comitiva: Akustischer Balsam
Angesichts der Krisen und Kriege überall auf der Welt können wir so schöne, so gut gelaunte Klänge weiß Gott brauchen. Südeuropäisch, südamerikanisch, oft nostalgisch („The Attraction“ etwa zitiert aus Michel Legrands Welthit „Windmills Of Your Mind“), bisweilen cineastisch und stets höchst harmonisch: „La Comitiva“ ist wie eine warme akustische Sommerbrise und wirkt wie musikalischer Balsam für gestresste Seelen. Live zu genießen beim einzigen Deutschland-Konzert im Hamburger Kampnagel am 10.05.2024.
Das Album „La Comitiva“ von Erlend Øye & La Comitiva erscheint am 26.04.2024 auf Vinyl und am 17.05.2024 digital auf Bubbles/Believe/Zebralution. (Beitragsbild von Jessica Raddino)





