Eric Clapton: I Still Do – Album Review

Eric Clapton: I Still Do – Album Review

Eric Clapton tut es noch: Solider, anspruchsvoller Blues, dem etwas mehr Überraschungsmomente gut tun würden

von Sebastian Meißner

Die Cream-Reunion von 2005 war ein kurzer Ausbrecher. Ansonsten ist Eric Clapton immer tiefer in das Wesen des Blues eingetaucht. Ob er die Songs seiner Idole JJ Cale und Robert Johnson oder eigene Kompositionen eingespielt hat: Mr. Slowhand hat seine Heimat längst und ausschließlich im Zwölf-Takte-Schema gefunden. Sonderlich innovativ ist das sicher nicht. Doch auf eine hohe spielerische Qualität konnten sich seine Zuhörer immer verlassen. Das gilt auch für „I Still Do“, seinem mittlerweile 23. Studioalbum. Schon der Opener „Alabama Woman Blues“ setzt den Kurs fest: Es geht mit vollem Tempo Richtung Vergangenheit. Das Ziel: Ein Besuch in der Wiege der amerikanischen Musik. Hammond-Orgel, Honky-Tonk-Piano und das auf diesem Album stark präsente Akkordeon rumpeln und poltern, als wäre es 1904. Es ist ein gelungener Einstieg in ein Album, das alle Facetten des Blues präsentiert. Es gibt JJ Cale-inspirierte Coolness („Can´t Let You Do It“), Offbeat-Rhythmen und liebliche Melodien („I Will Be There“) und die unverzichtbare Quoten-Ballade mit akustischer Slide-Gitarre  („I´ll Be Alright“).

Nostalgiker auf der Höhe der Zeit

Ansonsten gibt es viel klassischen Stoff, viele Soli, wenig Überraschungen. Angenehm hervorzuheben ist Claptons agile Stimme, die trotz einer vermutlich dem fortschreitendem Alter geschuldeten Sanftheit noch immer ausdrucksstark ist. Auch die Produktion, für die Glyn Johns – dessen letzte Kooperation mit Clapton vor 40 Jahren das Album „Slowhand“ abwarf – verantwortlich zeichnet, ist angenehm. Dass „I Still Do“ ähnlich hohe Wellen schlagen wird wie Claptons namensgebendes Meisterwerk von 1976, ist ziemlich unwahrscheinlich. Dafür mangelt es dem neuen Output an Durchschlagskraft und Reibungspunkten. Für Freunde des gepflegten Gitarrenspiels und Nostalgiker aber ist Clapton noch immer eine sichere Bank. 12 Songs, eine Stunde Spielzeit: Clapton tut es noch – und das ist gut.

„I Still Do“ von Eric Clapton erscheint am 20.05. bei Bushbranch / Surfdog / Polydor / Universal Music.

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