Die amerikanische Songwriterin Emma Harner bringt mit ihrem Konzert am 23.11.2025 das eisige Neukölln zum Träumen
Text und Fotos von Franz Naumann
Am gestrigen Sonntag herrschten nicht nur -2°C in Berlin, auch das sonst so schnelle und lebendige Neukölln war so verträumt wie lange nicht. Perfekt dazu passte die melancholische Musik von Emma Harner, die aus Lincoln, Nebraska stammt und ihre eigene Nische im Folk-Pop gefunden hat.
Emma baute ihre Fanbase langsam, aber sicher auf, indem sie mit verschiedenen Songs auf TikTok und Instagram viral ging. Der große Knall kam dann, als sie Anfang des Jahres mit Orla Gartland auf Tour ging. Wie sehr die Fans ihre Musik schätzen, sieht man unter anderem daran, dass sie kein Problem damit haben, lange vor dem Konzert anzustehen, um sich die besten Plätze zu sichern. Dazu war das Konzert im Prachtwerk restlos ausverkauft, obwohl es ihre erste Berlin-Headline-Show überhaupt war.
Für Fans von Laura Marling
Der Abend wurde eröffnet von Róise. Ähnlich folkig, melancholisch und auf das Wesentliche reduziert stellte die Musikerin aus Irland die neuen Songs ihrer EP „Television“ vor. Definitiv eine spannende Künstlerin, die man im Blick behalten sollte, wenn man Artists wie Laura Marling mag.
Der E-Moll Running Gag von Emma Harner
Nach einem schnellen Wechsel betrat Emma die Bühne. Im Gepäck: alte Songs, neue Songs aus ihrer EP „Taking My Side“, jede Menge Witze und Gitarrenunterricht für ihr Publikum. Vor jedem Song verriet sie, in welcher Tonart sie ihre Gitarre gestimmt hatte; in der Hoffnung, dass das Publikum die Songs daran errät. Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass niemand im Publikum Ahnung von Musiktheorie hat. Umso lustiger war es, dass sie nicht aufhörte, die Tonarten anzukündigen, und sich daraus ein Running Gag um E-Moll entwickelte; denn genau diese Tonart empfindet Emma als „Standard“.
Weniger ist mehr
Zu vielen weiteren Songs teilte sie Insights zur Entstehung, und auch die Witze hellten den sehr träumerischen Abend merklich auf. Der Abend endete mit dem Song „Yes Man“, der zweifellos das große Highlight ihrer neuen EP ist. Eine – zum Papierflugzeug gefaltete – Setlist fand schließlich noch den Weg ins Publikum, das größtenteils extra für Emma Harner nach Berlin gereist war. Auch hier zeigte sich mal wieder: weniger ist mehr und es braucht nicht immer die krasseste Bühnenshow, um ein ganz großes Konzert zu spielen.
Auch hier noch einmal: eine große Empfehlung für Fans von Orla Gartland und Laura Marling!



















