Emirsian: Lezoon – Albumreview

Emirsian: Lezoon – Albumreview

Hochrangiges Singer-Songwriterum von Emirsian

Dass Aren Emirze in der Vergangenheit Rhein/Main-Musikgeschichte schrieb durch seine internationalen Erfolge mit der Noise-Rock-Gruppe Harmful ist vielleicht nicht jedem bekannt, gehört aber nach wie vor in jeden Bericht über sein Projekt Emirsian – obwohl oder gerade weil es so anders klingt als diese Formation, die aus der Peripherie Frankfurts heraus die Welt ein bisschen eroberte und auf den Faith No More-Bassisten Billy Gould so einen guten Eindruck machte, dass er bei ihnen einstieg. Wissende Leser:Innen rollen darüber vielleicht die Augen, aber der Autor dieser Zeilen ist Frankfurter und Rockfan, da ist es immer schön, mal wieder auf diesen glücklichen Umstand hinzuweisen, weil WIR HATTEN JA SONST NICHTS (außer Tankard, ok). Lacht nur, Rest der Republik.

Das Anwachsen der Themenvielfalt bei Emirsian

Emirsian Lazoon Cover Hayk Records

Dass Harmful so großartig waren lag zur Hälfte an Gitarrist, Sänger und Songwriter Aren Emirze; und der tanzte schon während seiner Harmful-Zeit auf verschiedenen Hochzeiten, wie es Frankfurter Musikanten halt eben so tun. Emirzes Treiben wurde im Gegensatz zum Gros seiner Rhein/Main-Kollegen jedoch registriert, er durfte mit Emirsian zum Beispiel 2008 vor Everlast eröffnen (was ihm oder dessen Crew wohl nicht passte, Emirsian wurde während des Vortrages irgendwann der Strom abgedreht).

Das Besondere am Singer-Songwriter-Projekt Emirsian (Emirze hat noch ein paar andere am Start) ist die durch den Tod seines Vaters angeregte Auseinandersetzung mit den musikalischen Traditionen Armeniens – Armenisch und Englisch waren folgerichtig die Sprachen der Wahl. Das fünfte Emirsian-Album „Lezoon“ addiert nun noch Deutsch hinzu, was auch einem Anwachsen der Themenvielfalt geschuldet scheint. Der Vater einer Tochter hat, ebenso wie sie und deren Mutter, eine Trennung zu verarbeiten und lässt diesbezüglich Tochter Veron auch selbst am Ende der Platte zu Wort kommen.

Beeindruckende Klangfarben

Der Weg dahin schlägt einen Bogen von der Bearbeitung eines Textes von Konstantin Wecker (mit dem Emirze ohne Pandemie wohl zusammen im Studio gestanden hätte) über Vertonungen armenischer Lyrik oder das Begrüßen neuer persönlicher Freiheiten („Gouzem“). Bei „Lichtjahre“ vertont Emirze einen Text von Tobias Friedrich, der diesen selber als Vorlage für ein völlig anderes „Lichtjahre“ mit seiner Band Husten benutzte – Emirsians Version besticht dabei mit sanftem Vortrag sowie sattem Streichensemble. Mit Serj Tankian von System Of A Down duettiert Emirze beim herzzerreißenden „Vercin Toure“, mit Blackmail’s Aydo Abay (beide spielen zusammen beim den noch tonträgerlosen Musa Dagh) bei „End Of Time“. „Lezoon“ ist eine halbe Stunde hochrangiges Singer/Songwritertum voller beeindruckender Klangfarben sowie aus dem Leben gegriffener Themen. Ein Album von dem ich mir wünschen würde, dass es auch gehört wird. Und zwar nicht aus lokalpatriotischen Gründen (nicht nur, ok). Chapeau, Aren Emirze.

„Lezoon“ von Emirsian erscheint am 21.05.2021 bei Hayk Records / Cargo Records. (Beitragsbild von Veron Emirze)

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