Elvin Jones: At Onkel Pö’s Carnegie Hall – Albumreview

Elvin Jones: At Onkel Pö’s Carnegie Hall – Albumreview

Die Lehrstunde des Schlagzeugers Elvin Jones im Hamburger Jazzclub Onkel Pö

Er spielte mit den Größten der Großen. Miles Davis, Charlie Parker, Sonny Rollins, Charles Mingus, Larry Young, Donald Byrd, Bud Powell: Mit seinem energischen und kraftvollen Spiel veredelte Elvin Jones unzählige Aufnahmen. Am bekanntesten ist der Schlagzeuger aber für seine Arbeiten mit dem John Coltrane Quartett. Zwischen 1960 und 1965 spielte das Quartett eine Reihe großartiger Alben ein, die zu Klassikern wurden, darunter My Favourite Things, Olé Coltrane, Coltrane’s Sound, Africa/Brass – Live At Birdland und vor allem A Love Supreme.

Nach seinem Ausstieg dort leitete der sympathische Stilist dann seine eigene Band, die „Elvin Jones Jazz Machine“, mit der er in den 1980er- und 1990er-Jahren die Welt bereiste. 1981 machte die Zeitmaschine in Hamburg Halt. Ein Sextett, bestehend aus den beiden Tenor-Saxofonisten Carter Jefferson und Dwayne Armstrong, dem Pianisten Fumio Karashima, den Gitarristen Marvin Horne und den Bassisten Andy McCloud. Ein höchst versiertes und vor Kraft strotzendes Ensemble, das in seinem Sound elegant Hardbop mit Blues vermählte. Die ganze Kraft dieser Band zeigt sich bereits im ersten Stück „Elvin Jones Blues“. In knapp über 20 Minuten spielen sich die Solisten auf Betriebstemperatur, schmeißen sich wagemutig in ihre Soli, während die Rhythmusgruppe in halsbrecherischem Tempo nach vorne peitscht.

Auch „George And Me“ und „Antigua“ drücken mächtig aufs Gas. Besonders die Battles zwischen den beiden Saxofonisten Jefferson und Armstrong, rauben den Zuschauern im „Onkel Pö“ den Atem. Dass das Sextett auch anders kann, zeigt es in den Balladen „In A Sentimental Mood“ und „My One And Only Love“. Jones streichelt hier mit den Besen die Felle. In diesen Stücken ragen die Soli des Pianisten Karashima heraus, dem die Töne aus den Fingern zu perlen scheinen. Jones ist ein teambewusster Bandleader, der nicht zwangsläufig im Mittelpunkt stehen muss. Dennoch nimmt er sich regelmäßig seinen Freiraum, um sein Können zu demonstrieren.

Besonders eindrucksvoll ist sein Solo im Intro zu „Doll Of The Bridge“. Seine Fähigkeit, Hände und Füße unabhängig voneinander zu bewegen, ist hier eindrücklich dokumentiert. Für Schlagzeuger ist dies eine Lehrstunde des dynamischen Spiels und hat auch 37 Jahre später nichts von seiner Faszination eingebüßt. Und so ist diese Veröffentlichung der nächste große Wurf in der Reihe hochklassiger Live-Mitschnitte aus dem legendären Hamburger Musikclub, der 1985 seine Pforten für immer schließen musste. Bislang erschienen bereits Mitschnitte von Chet Baker, Dizzy Gillespie und Johnny „Guitar“ Watson. Bleibt zu hoffen, dass noch viele weitere folgen werden.

„At Onkel Pö’s Carnegie Hall“ von Elvin Jones Time Machine erscheint am 07.0402017 bei Jazzline / Delta Music.

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