Zehn Jahre nach ihrem erfolgreichen Debüt kehrt die Londoner Soul-Sängerin Ella Eyre mit Album Nummer zwei zurück. Hat sich das Warten gelohnt?
von Werner Herpell
Ein Jahrzehnt Pause ist im Pop eine Ewigkeit – daher sei es jedem nachgesehen, der den Namen Ella Eyre nicht mehr sofort auf dem Schirm hat. Als Begründung, warum die 31-jährige britische Sängerin und Songwriterin nach dem Erfolg ihres Albumdebüts „Feline“ von 2015 (Platz vier in den UK-Charts) so lange für einen Nachfolger brauchte, nennt ihr Label Play It Again Sam (Pias) „Jahre kreativer Zwangsjacken der Branche“. Nun startet Ella Mary McMahon aka Ella Eyre mit ihrem Zweitwerk „Everything, In Time“ – frei übersetzt: „alles (noch) rechtzeitig“ – neu durch.
Lässige, ins Jazzige driftende Soul-Vocals
Die Londonerin wird als
„eine der talentiertesten und markantesten Stimmen Großbritanniens“ vermarktet, und tatsächlich erinnern ihre lässigen, ins Jazzige driftenden Soul-Pop-Vocals manchmal an Amy Winehouse, aber auch an die ähnlich begabte junge Schottin Brooke Combe oder an die Eighties-Soul-Größe Dee C Lee (The Style Council). Definitiv ein selbstbewusster, einnehmender Gesang, bei dem man sich fragt, welche Fesseln die Pop-Branche dieser Musikerin so lange anlegen konnte.
Während des Lockdowns musste sich Ella Eyre laut Pias freilich auch „einer Stimmbandoperation unterziehen, die sie buchstäblich dazu zwang, wieder sprechen zu lernen“ – so dass aus fünf Jahren Unterbrechung ihrer Solokarriere schließlich zehn wurden. Inzwischen sind all diese Unbillen beseitigt. Eyre hat sich von ihrem ehemaligen Label getrennt, ihre Master-Aufnahmen mitgenommen und – nach dem Motto „This doesn’t feel right – scrap it all“ – ganz von vorn begonnen. Herausgekommen ist ein ungeheuer f…
