Elizabeth George: Nur eine böse Tat

Elizabeth George: Nur eine böse Tat

Mit Thomas Lynley und Barbara Havers in die Toskana

von Gérard Otremba

Sie sind schon ein Phänomen, die Kriminalromane von Elizabeth George. Seit 25 Jahren ermittelt nun der adelige  Inspector Thomas Lynley, dem Elizabeth George mit Barbara Havers ein aus proletarischen Verhältnissen stammenden Gegenpol an die Seite gestellt hat. Mit dem sensationellen Debüt „Gott schütze dieses Haus“ nahm die Serie  1989 in Deutschland ihren Anfang – das Original erschien 1988 unter dem Titel „A Great Deliverance“ – und weitere 17 Bände sollten bis dato folgen. Die in Ohio geborene und in Kalifornien aufgewachsene Autorin hat gemeinsam mit ihrer amerikanischen Kollegin Martha Grimes den klassischen englischen Kriminalroman ins neue Jahrtausend gerettet.

Lynley und Havers ermitteln für den New Scotland Yard, ihre Fälle sind in London und Umgebung angesiedelt und atmen den Roman-Duft von Dorothy Sayers und Agatha Christie. Im 18. Inspector-Lynley-Fall ist zunächst einmal ein neuer Seitenzahlrekord zu vermelden. Auf epische 860 Seiten streckt Elizabeth George den Roman „Nur eine böse Tat“, und keine Seite scheint zu viel. Im Mittelpunkt steht diesmal Detective Sergeant Barbara Havers, oder vielmehr ihr Nachbar, guter Freund und geheimer Schwarm Taymullah Azhar. Dessen Ex Angela Upman taucht plötzlich bei ihm auf, nistet kurzzeitig bei ihm ein, nur um mit der gemeinsamen Tochter Hadiyyah wieder spurlos abzutauchen. Ein von Azhar und Havers beauftragter Privatdetektiv scheint auch nicht wirklich weiterhelfen zu können und ein halbes Jahr später steht Angelina Upman mit ihrem neuen italienischen Lover wieder vor Azhars Tür und beschuldigt diesen der Entführung ihrer Tochter, denn diese ist nun im neuen toskanischen  Heimatort Lucca verschwunden.

Selbstverständlich ist es für Barbara Havers eine Freundschaftsverpflichtung Azhar und Hadiyyah gegenüber helfend einzugreifen. Wie aus früheren Fällen bekannt, schlägt Havers häufig einen eher unbequemen, dickköpfigen  und sturen Weg ein, und handelt sich immer wieder Ärger mit den Vorgesetzten ein. Um Taymullah Azhar auf bestmögliche Weise zur Seite zu stehen, überschreitet sie ihre polizeilichen Grenzen in bisher ungekanntem Ausmaß. Kann Thomas Lynley, der sich ansonsten ausgiebig um sein Frauen-Privatleben kümmert, seine ehemalige Assistentin vor dem beruflichen Desaster bewahren? Mit „Nur eine böse Tat“ gelingt Elizabeth George ein wendungs- und fintenreicher Krimi, denn kaum klärt sich vermeintlich die Entführung Hadiyyahs, beginnt das nächste Drama um Taymullah Azhar, Angelina Upman und Barbara Havers. Auch im neuen Inspector Lynley-Roman „Nur ein böse Tat“ zeigt sich Elizabeth George auf der Höhe ihrer Krimi-Kunst.

Elizabeth George: „Nur eine böse Tat“, Goldmann Verlag, Hardcover, 978-3.442-31252-8, 24,99 €

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