Elizabeth George: Glaube der Lüge

Elizabeth George: Glaube der Lüge

Die verläßliche Krimi-Routine von Scotland Yard

von Gérard Otremba 

Krimis von Elizabeth George zu lesen wird immer mehr zu einer liebgewordenen Routine. Verläßlich alle zwei Jahre veröffentlicht die 63-jährige Amerikanerin einen neuen Roman um ihre so unterschiedlichen Protagonisten Thomas Lynley und Barbara Havers. Ähnlich wie ihre US-Kollegin Martha Grimes, läßt Elizabeth George ihre Helden in England, im guten alten Scotland Yard ermitteln. Mit dem fulminanten Debüt „Gott schütze dieses Haus“ betraten der adlige Thomas Lynley und die aus einer Arbeiterfamilie stammende Barbara Havers 1989 Deutschlands Krimiwelt. Mit diesem Werk setzte George ein fettes Ausrufezeichen in die Spannungsliteratur. Diesen außergewöhnlichen Krimi-Maßstab konnte sie zwar nicht immer halten, pendelte sich aber im Laufe der Zeit auf einem konstant guten Niveau ein. Je mehr man die Hauptfiguren ins Krimi-herz schloß, desto umfangreicher wurden die Bücher von Elizabeth George. Auf bis zu 800 Seiten breitete sie die Fälle und das Privatleben ihrer Hauptfiguren aus. Und der Irrungen und Wirrungen, bis hin zu schweren Schicksalsschlägen, gab es im Leben Von Lynley und Havers mehr als genug. Im mittlerweile 17. Fall „Glauber der Lüge“ verschlägt es Thomas Lynley in einem Geheimauftrag nach Cumbria, in die Nähe der schottischen Grenze. In einer Undercoverermittlung soll er den scheinbaren Unfalltod von Ian Creswell untersuchen, ein Neffe des Auftraggebers Bernard Fairclough. Nach und nach decken Lynley und dessen involvierte Freunde Simon und Deborah St. James die dunkeln Geheimnisse der reichen Familie Fairclough auf, unterstützt von der in London agierenden Havers. Und hier spielt Elizabeth George ihre Stärke aus. Creswells Tod dient ihr im Prinzip nur als Leitfaden. Aber die Entlarvung des Scheins, das Bloßlegen der intimen Details einzelner Fairclough-Familienmitglieder und deren Intrigen sowie die Verbindung dieser Entdeckungen zum eigentlichen Fall zu knüpfen, das ist Georges wahre schriftstellerische Gabe. Und das macht sie nahezu perfekt. Auch auf 700 Seiten. Und in spätestens zwei Jahren lesen wir den nächsten Elizabeth George-Krimi.

 Elizabeth George: „Glaube der Lüge“, Hardcover,24,99 €, 978-3-442-31251-1, Goldmann-Verlag         

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