Element Of Crime: Fremde Federn

Element Of Crime: Fremde Federn

von Gérard Otremba

„Fremde Federn“ heißt die vor wenigen Wochen erschienene und fast untergegangene „neue“ CD der Berliner Band Element Of Crime. So „neu“ ist das alles natürlich nicht wirklich, handelt es sich doch um eine Compilation von Aufnahmen der letzten 21 Jahre. Wie der Titel es verrät, befinden sich auf diesem Album ausnahmslos Coverversionen, die bereits auf diversen Single-B-Sides, Soundtracks oder Tribute-Alben veröffentlicht waren. Altbewährtes also für all jene, die alles von Element Of Crime gesammelt haben. Eine Raritätenfundgrube jedoch für all diejenigen Element-Hörer, die sich auf die offiziellen Studioalben beschränkten.

„Heimweh“, „My Bonnie Is Over The Ocean“, „It’s All Over Now, Baby Blue“

Und unterschiedlicher hätte diese Zusammenstellung nicht ausgefallen sein können. Mit „Heimweh“, durch Freddy Quinn Berühmtheit erlangt, geht es los. 2004 für den Soundtrack zu „Die fetten Jahre sind vorbei“ eingespielt, kommt der Song hier als ein fröhlich-trauriger Schunkler mit dem typischen Element-Twang daher. Und mit den Topoi Heimweh uns Sehnsucht kennen sich Sven Regener, Jakob Ilja, David Young und Richard Pappik bestens aus, man denke nur an „Vier Stunden vor Elbe“, oder diverse Stücke des Albums „An einem Sonntag im April“. „My Bonnie Is Over The Ocean“ ist verglichen mit der Beatles-Version eine tieftraurige Angelegenheit. Im bedächtigen Walzertakt dehnt und streckt sich Regeners hier schwer belegte Stimme, untermalt von Richard Pappiks sehnsüchtigem Mundharmonika-Spiel. Die Interpretation von „It’s All Over Now, Baby Blue“ stünde, bis auf die Trompete, auch Bob Dylan auf zukünftigen Konzerten gut, während „Spooky“, ein eher unbekannteres Stücke aus den 60er Jahren und 1999 zu „Psycho“-Zeiten aufgenommen, mit einem herrlichen tranceartigen Noir-Groove ausgestatten wird.

„Leider nur ein Vakuum“, „Hamburg `75“, „I Started A Joke“, „Last Christmas“

Bei „Leider nur ein Vakuum“ schimmert in Regeners Stimme eindeutig das Udo Lindenberg-Original durch, ohne jedoch in ein kalkuliertes Imitat abzudriften. Filigranen Jazz-Pop bieten Element Of Crime mit „Auf der Espressomaschine“ von Franz Josef Degenhardt und zu einer Art Country-Punk verwursteln sie den „Motorcycle Song“ von Arlo Guthrie. „Hamburg`75“, von Hans Scheibner und der Rentnerband komponiert, eine lustige Reminiszenz an die unbeschwerte Ära der Post-68er. Mit Andreas Dorau („Fred vom Jupiter“)als Gastsänger, von dem dann auch „Blaumeise Yvonne“ stammte, ein niedliches Kleinod, das einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert und zum Mitsingen animiert. „I Started A Joke“ klingt noch viel trauriger als das Bee Gees-Original und „You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk” (Pet Shop Boys) auch nicht unbedingt aufbauender. Die Melancholie in Sven Regeners Stimme wird in der Interpretation englischer Texte noch wirksamer und auffälliger als ohnehin schon. Und so gerät auch „Last Christmas“ (Wham), völlig ohne Pathos vorgetragen, zu einer Reduktion auf des Wesentliche: Gesang, zwei Gitarren (eine gezupfte, eine verzerrte, Neil Young ähnliche) und Bongos.

Lieder von Brecht/Weill und Alexandra

Die Brecht/Weill-Phase von 1989, die auch den Übergang zu den deutschen Texten bei Element Of Crime markiert, wird auf „Fremde Federn“ durch „Raus aus der Gruft“ und „Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ abgedeckt. Der Sound des Letzteren ermahnt sehr an die Bad Seeds, sinister und hintergründig, genauso wie sich Sven Regener als ein vorzüglicher Brecht-Interpret erweist. Man hört Mackie Messer geradezu um die Ecke schleichen. Der deutschen Lieblingschansonnette Alexandra kommt mit „Zwei Gitarren“ und „Akkordeon“ zu ihren Ehren, allerdings rumpelt und poltert „Akkordeon“ in bester „Psycho“-Manier und Chanson gibt es dann erst bei „Le Vent Nous Portera“ zu hören. Sehnsuchtstrompete, Akkordeon und Regener singt in französischer Sprache.

„She Brings The Rain“, „Leise rieselt der Schnee“, „Across The Universe“

Mit „She Brings The Rain“ einverleiben sich Element Of Crime noch die Avantgarde-Rockmusik von Can, bevor sie sogar „Leise rieselt der Schnee“ mit Mandoline, Lapsteel und Mundharmonika noch neue Facetten abgewinnen. Mit „Across The Universe“ von den Beatles endet die CD. Und obwohl man sich beim Covern von Beatles-Songs schnell mal die Finger verbrennen kann, machen die Elements auch hier noch eine gute Figur und präsentieren den Klassiker in einem wesentlich helleren und transparenteren Sound. Element Of Crime schmücken sich gut mit fremden Federn und bleiben ihrem Stil trotzdem treu. Mehr muss man nicht verlangen.

„Fremde Federn“ von Element Of Crime ist bei Universal erschienen.

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