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14. April 2026Auf seinem neuen Album spielt der Gitarrist Eivind Aarset und seine Band wundervoll organische Musik, die sich an keine Regeln halten will
Ray Charles, Rebekka Bakken, Cher: Die Liste prominenter Musiker, die Eivind Aarset als Studio-Gitarrist für ihre Alben buchten, ist lang. Der 65-jährige Norweger gilt gleichermaßen als stilsicher wie unberechenbar, was seinem Spiel eine einzigartige Note verleiht. Aarset startete in einer Heavy-Metal-Band, landete dann über Pop und Rock im Jazz. Vor allem als Sideman von Nils Petter Molvær und in der Zusammenarbeit mit Bugge Weeseltoft konnte er dabei seinen eigenen Stil ausarbeiten. Inzwischen hat er sich von Genrebegriffen komplett befreit. Seine Solo-Arbeiten (das erste Album „Électronique Noir“ von 1998 gilt heute als Meisterwerk) sind Exkursionen ins Unbekannte, bei denen Eivind Aarset auch elektronische Elemente einarbeitet. Es ist oft sperrige, verspulte Musik, die klingt wie ein kaum durchsichtiger Vorhang, aus der sich aber dann doch immer wieder Passagen voller unerwarteter und daher umso ergreifenderer Schönheit herauswinden, bis sie von der nächsten dichten Nebelschwade verdeckt werden.
Das permanente Unoffensichtliche
„Strange Hands“ ist ein Paradebeispiel für dieses organische Konzept der Gezeiten. Stücke wie „Snow Crash“ oder das Titelstück bestehen aus mehreren Episoden, aus denen Aarset Geschichten webt. Hinter jeder Ecke wartet eine Überraschung, das Unvorhersehbare, das Unoffensichtliche. Das ist aufregend und hält wach. Und ist viel weniger verkauft als man denken mag. Besonders wild ist „Space Bob“, in dem Eivind Aarset vom verträumten ersten Block irgendwann in die Noise-Spirale überführt und sich bis zum Schwindel kreiselt. Kurz vorm Kollaps dann doch die Erlösung in Form einer ergreifenden Melodie. Wow! Im letzten Stück dieser so tollen wie eigensinnigen Platte („What Drifts Below“) vertont Aarset das träumerische Fliegen. Hier löst sich alle Physik in freie Vorstellung auf.
Eivind Aarset findet das Einhorn
Eingespielt hat Aarset diese Musik mit Audun Erlien, Wetle Holte und Erland Dahlen. „Es ging mir um den Bandsound, den wir seit Jahren live entwickelt haben und den wir noch nie so gut auf einem Album abgebildet haben“, sagt Eivind Aarset im Interview mit Jazzthing. „Wir haben einen Sound kreiert, der von einem gemeinsamen Sinn für eine gewisse musikalische Ästhetik zeugt. Und wir hatten ein paar Melodien, die wir schon live ausprobiert hatten und die wir gerne aufnehmen wollten.“ Zum Glück ist das nun geschehen. „Strange Hands“ ist ein echtes Hörerlebnis. Ein Unikat. Ein Einhorn. Und nicht zuletzt eine echte Freude.
„Strange Hands“ von Eivind Arrest erscheint am 17.04.2026 bei Jazzland. (Beitragsbild: Albumcover)





