Eels: The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett – Album Review

Die intimen, traurigen und erhabenen Momente des Mark Oliver Everett

von Gérard Otremba

Die Qualen des Mark Oliver Everett, alias E, gehen in die nächste Runde. Mit The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett, seiner nunmehr elften Platte mit Eels seit dem Debütalbum Beautiful Freak von 1996, legt der kauzige Amerikaner sein wohl ruhigstes und intimstes Werk vor. Zu einer Nabelschau seiner Gedanken- und Gefühlswelt werden selbstverständlich auch Everetts dreizehn neue Songs. Wer will es ihm verdenken, denn bei kaum einem anderen Musiker hat das Schicksal so unbarmherzig in die Familie eingeschlagen wie bei Mark Oliver Everett. Innerhalb weniger Jahre verlor er seinen Vater und seine Schwester durch Suizid, seine Mutter verstarb an Krebs und eine Cousine kam durch das Flugzeugattentat vom 11.9.2001 auf das Pentagon ums Leben. Everett offenbart sich, um leben zu können. Der getriebene Depressive taucht seinen Seelenkosmos auf The Cautionary Tales… in einen leisen, ganz zarten, folkigen Kammerpop.

Da hat man schon wahrlich krudere musikalische Methoden des 41-jährigen, in Washington, DC geborenen Everett gehört. Die meisten Songs wirken in ihrer Kürze skizzenhaft und fragmentarisch, berühren jedoch in ihrer sparsamen Instrumentierung jederzeit. Die mit akustischen Gitarren, Pianos Violinen, Celli, Klarinetten, Flöten, Hörnern, Trompeten und Glockenspielen arrangierten Stücke sind sanft und wohl temperiert und erhalten nur selten einen hymnischen Charakter, wie bei „Lockdown Hurricane“, oder einen beschwingten Midtempo-Shuffle wie in „Where I’m From“. Manchmal, wie im erhabenen „A Swallow In The Sun“ oder dem Indie Folk-Pop von „Mistakes Of My Youth“, erinnern einzelne Kompositionen an Badly Drawn Boy, einen anderen durchtriebenen und wundervollen Musik-Nerd, manchmal wird es mystisch, wie in „Series Of Misunderstandings“, oder gar bedrohlich und schaudernd in „Dead Reckoning“. Eine das Album beherrschende Traurigkeit erfährt in „Gentleman’s Choice“ und „Agatha Chang“ ihren Höhepunkt, von Eels immer mit dem charmanten Hauch der Schönheit versehen. Ein herzergreifendes- und erwärmendes Album.

„The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett“ von Eels ist am 18.04.2014 bei Pias / Cooperative Music erschienen.

 

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