
Get Well Soon: Minus The Magic
20. Mai 2026
Koschka: Should I Have Told You – Song des Tages
21. Mai 2026Er ist der „stille Radiohead“ hinter Thom Yorke und Jonny Greenwood. Das zweite Soloalbum von Ed O’Brien hat jedoch George-Harrison-Format.
von Werner Herpell
Seine Stimme mag nicht so atemberaubend exaltiert sein wie das Falsett von Thom Yorke, sein Gitarrenspiel nicht ganz so exquisit wie das des Virtuosen Jonny Greenwood. Gleichwohl ist die Rolle von Ed O’Brien als ruhender Pol innnerhalb der genialischen Band Radiohead kaum hoch genug einzuschätzen. Wenn man diese Dreierkonstellation mit den großen Beatles-Songschreibern (Lennon/McCartney/Harrison) vergleichen wollte, könnte man vom „stillen Radiohead“ hinter/neben den beiden Großkopferten des Oxforder Brit-Rock/Neo-Prog/Electro/Avantgarde-Quintetts sprechen, zu dem bekanntlich auch noch Bass-Mann Colin Greenwood und Schlagzeuger Philip Selway gehören.
Als Musiker mit sich im Reinen
Sehr gut war das während der vier sensationellen Berliner
Live-Reunion-Auftritte von Radiohead Ende 2025 zu beobachten, bei denen Yorke und Greenwood in emsiger, ja hektischer Betriebsamkeit durch den spektakulären zentralen Käfig flipperten, während Ed O’Brien in aller Seelenruhe seine Runden drehte, souveräne Beiträge zum filigranen Gesamtklang der Band beisteuerte und dabei, ganz der nahbare Kumpeltyp, ins Publikum lächelte. Ein Musiker, der mit sich im Reinen schien. Dieses Gefühl vermittelt nun auch „Blue Morpho“, O’Briens so schönes wie tiefschürfendes zweites Soloalbum seit 2020. Obwohl der Weg dorthin für den mittlerweile 58-jährigen Gitarristen und Sänger beschwerlich war.
Denn im Jahr nach der Veröffentlichung des von der Kritik gefeierten Solodebüts „Earth“ (noch unter dem Moniker EOB), nach dem zweiten Lockdown, verlor O’Brien den Boden unter den Füßen, wie er jetzt in einem Interview des US-amerikanischen „Rolling Stone“ einräumte. „Ich bin in eine tiefe Depression gefallen“, sagt der …





