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13. Januar 2026Neues von Markus „Don Marco“ Naegele: Mit seiner neuen Band Drug Stop landet er nicht nur bei der Namenswahl einen Volltreffer.
von Werner Herpell
Wenn sich eine Band Drug Stop nennt, kann natürlich nicht mehr viel schiefgehen. Das müssen gute Typen sein, die eine anstrengende bis nervtötende Deutsch-Country & Western-Truppe mit Schlagern wie „Ich möcht‘ so gern Dave Dudley hör’n“ oder „Take It Easy, Altes Haus“ so hübsch-ironisch aufs Korn nehmen. Statt an einem norddeutschen Lkw-Rastplatz halten die fünf Münchner um den genialen Indie-Rock-Spaßvogel Markus Naegele offenkundig lieber an einer Tankstelle für bewusstseinserweiternde Substanzen an – was man der Musik des Drug-Stop-Debütalbums manchmal auf ganz wunderbare Weise anhört.
Naegeles Rückkehr zu englischen Texten
Markus Naegele? Ja, genau der, von Fuck Yeah und Don Marco & die kleine Freiheit. Außerdem, wie man kürzlich dem „Börsenblatt“ der Buchbranche entnehmen konnte, seit Oktober 2025 „im Lektorat des Kunstmann Verlags. Seit 1998 arbeitet er als Lektor, gründete das Heyne-Imprint Heyne Hardcore und leitete zuletzt das Programm bei btb.“ Aber klar, für uns hauptsächlich interessant ist der auch schon fast 60-jährige Naegele als Frontmann verdienter Indie-Combos, der mit seinem aktuellen Projekt zu englischen Texten zurückgekehrt ist und im schönen München eine neue Band um sich geschart hat.
Mit dem 8-Track-Album „Love You All The Time“ liefern Drug Stop eine beeindruckende Duftmarke ab, die nach Naegeles eigener Definition unter anderem Einflüsse von Velvet Underground, NEU, Wilco, The Clash, Primal Scream, Rolling Stones und Afghan Whigs enthält. Da schämt sich ein Musiker mal nicht seiner ohnehin unüberhörbaren Inspirationen – im Gegenteil, er benennt sie offensiv. Und warum auch nicht, sind all diese Namen doch keineswegs ehrenrührig. Zusammengefasst: Ein typischer Drug-Stop-Joint besteht aus „90s-Indie-Slacker-Rock mit krautigen und psychedelischen Elementen, streift durch Bläser-Einschübe, free-jazzige Gefilde und scheut auch vor gewagten Gospelchören, Feedback-Experimenten oder Country-Moves nicht zurück“.
„Songs, die gen Himmel blicken“
Und da Naegele nicht nur ein klasse Musiker, sondern schon rein berufsbedingt ein Meister des Wortes ist, lassen wir ihn zur Beschreibung des zentralen und ausuferndsten Albumstücks „Heaven“ gleich nochmal übernehmen (dieser Reviewer könnte es nämlich nicht besser):
„Was gab es da nicht schon alles für große und kleine, fulminante und desaströse Songs, die gen Himmel blickten: Talking Heads, Psychedelic Furs, Depeche Mode, Bryan Adams. Bei The Smiths wusste der Himmel Bescheid, dass Morrissey unglücklich war. Bei Belinda Carlisle war der Himmel ein Ort auf Erden. Bob Dylan klopfte ein paar Mal an der Himmelspforte, und bei Meat Loaf konnte der Himmel noch eine Runde warten. Nun also Drug Stop, bei denen der Himmel voller Schmerzen ist. Und das ganze 7 Minuten und 40 Sekunden lang. Als erste Single, als erstes Lebenszeichen einer neuen Band. Haben die nicht alle Tassen im Schrank? Wissen die nicht, dass in Zeiten von TikTok und Spotify mehr als zweieinhalb Minuten nicht geht? Da hört doch keiner zu, die Hook muss in 30 Sekunden da sein. Give the people what they want. Doch in München gibt man sich störrisch. Die Band lässt den Hörer nach dem gesungenen Entree erst mal warmlaufen, der Groove setzt ein, die Adler drehen im Video dazu ein paar Runden, in Manchester hätte man dazu früher komische Bucket Hats aufgesetzt und getanzt. Die Refrain-Melodie wird wiederholt, und dann noch mal, und dann kommen Bläser und Chöre hinzu – und das Ganze hebt ab gen Himmel.“
Drug Stop mit „Smash-Hits für alle Lebenslagen“
Ein nicht nur langer, sondern ein großer Song. Und auch der Rest macht enorm Spaß: der launige Opener „57 Years“ etwa, mit dem Bekenntnis, bereits 80 000 Biere getrunken zu haben; oder das vom Saxofon mitgeprägte psychedelische Gitarrenpop-Titelstück; oder der in Krautrock-meets-Neil-Young-Gefilde driftende Rocker „Maybe I’m The Only One For Me“. Nach dem schon erwähnten „Heaven“ wird die Platte etwas konventioneller, mit „Erase Me“ und dem Closer „Garbage“ gar richtig ruhig – aber zum Glück nie betulich oder berechenbar.
Ihr Ziel („acht Smash-Hits für alle Lebenslagen und Gemütszustände: heiter und wolkig, euphorisch und niedergeschlagen“) erreichen Drug Stop also locker. Super Scheibe – so darf das Musikjahr 2026 gern weitergehen.
Das Album „Love You All The Time“ von Drug Stop erscheint am 16.01.2026 bei Rheinschallplatten. (Beitragsbild von Tibor Bozi)





