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18. Juli 2025„Kommen Sie zum Planet Weekend!“, so lockt uns das Cartoon-Pop-Duo Dirty Nice in seinen musikalischen Vergnügungspark. Lohnt sich der Trip?
von Werner Herpell
Die Welt ist ein Irrenhaus – warum sich also nicht in einem Vergnügungspark so lange und so heftig amüsieren, bis der Arzt kommt? Das dachten sich auch Charlie Pelling und Mark Thompson, die zusammen das britisch-exzentrische Cartoon-Pop-Duo Dirty Nice bilden und ihren Hörern einen hedonistischen Ausweg auf Albumlänge anbieten.
Im Angebot: „Eine Welt voller Spannung!“
„Kommen Sie in den Vergnügungspark Planet Weekend und tauchen Sie ein in eine Welt voller Spannung, in der sich jeder Tag wie ein Wochenende anfühlt!“, heißt es bewusst marktschreierisch auf ihrer Bandcamp-Seite. Und weiter: „Warum vergessen Sie nicht Ihr trauriges Dasein – finden Sie ein neues Leben in der „Arcade Cave” oder gönnen Sie sich einen Snack im „Cheesey Bacon Buffet Beef Palace”, bevor Sie die Vielzahl brandneuer (und definitiv sicherer!!!) Attraktionen erkunden, die auf Sie warten? Los geht’s! Also sagen Sie Ihre Pläne ab, kündigen Sie Ihren Job und kommen Sie zum Planet Weekend, um ein neues Leben zu beginnen!“
Bei Stephen King wären solche Weltflucht-Angebote immer der Anfang von etwas sehr Bösem. Bei Dirty Nice (der gegensätzliche Bandname könnte natürlich auch vom „King of Horror“ stammen) ist allerdings eher Amüsement zu erwarten, wenn Pelling/Thompson uns mit insgesamt 18 Soundschnipseln und echten Songs voller Psychedelia und skurrilem Humor durch ihren „Planet Weekend“ (so auch der Name des Albums) geleiten.
Eine Hipsterpop-Klangkulisse
Die Platte enthält eine Menge hübscher Ideen – aber nicht jeder Gimmick zündet, nicht jede Pointe ist zum Brüllen komisch. Musikalisch geht es hipsterpop-mäßig zu – mit einer Klangkulisse, die sich aus Versatzstücken von MGMT, Phoenix, The Flaming Lips, Super Furry Animals, den „Yellow Submarine“-Beatles und Violent Femmes zusammensetzt (nur um einen ungefähren Eindruck von dem Dirty-Nice-Sound zu vermitteln, der ähnlich quietschbunt ist wie das Cover-Artwork). Ein paar potenzielle Hits sind definitiv auch dazwischen, etwa das eingängige „What I Wanna Hear“ oder das hibbelige „Merry-Go-Round Girl“.
Für alle, denen diese Info etwas sagt: „Charlie Pelling ist ein Star-Composer der britischen Comedy-Szene und zeichnet zum Beispiel für die Kult-Puppen-Serie ‚Don’t Hug Me I’m Scared‘ verantwortlich“, schreibt das Label Chiverin über einen der beiden Dirty-Nice-Mastermindes. Thompson sei ein in Lissabon lebender Musiker. Und weiter: „Im letzten Jahr haben ihnen ihre knallbunten Animationen auf Tiktok, Instagram und Reddit eine Online-Fangemeinde von Hunderttausenden eingebracht. Pelling und Thompson sprechen und animieren selbst eine ganze Reihe von exzentrischen Charakteren und erweitern so die schräge und wunderbare Welt von Dirty Nice, die mit der Musik begann.“
Dirty Nice am Schluss mit Indiepop-Volltreffer
Ich muss – auch weil ich kein Riesenfan solcher Indie-Animations-Kultur bin – gestehen, dass mich der „surrealistische Cartoon-Pop“ aus einem von der Fernsehwerbung der 90er inspirierten fiktiven Vergnügungspark ein bisschen ratlos zurücklässt. Der vollmundigen Eigenwerbung („Es macht Spaß. Es ist eskapistisch. Es ist existenziell. Wenn Sie Dirty Nice noch nicht auf Ihrem Radar haben, ist es an der Zeit, Ihr Ticket zu buchen. Dies ist nicht nur ein Album, es ist eine Erfahrung.“) schließe ich mich daher nur bedingt an. Mit „Spit“ gelingt Pelling/Thompson am Ende freilich ein famoser, an Mark Everetts Eels erinnernder Indiepop-Volltreffer, der für das nächste Album des Duo-Projekts (sollte ein solches geplant sein) dann doch einiges erhoffen lässt.
Das Album „Planet Weekend“ von Dirty Nice erscheint am 18.07.2025 bei Chiverin. (Beitragsbild: Pressefoto)





