Die Sterne: Die Sterne* – Albumreview

Die Sterne: Die Sterne* – Albumreview

Mit diversen Gästen gelingt Frank Spilker ein ziemlich gutes Sterne-Album

Nachdem Bassist Thomas Wenzel und Schlagzeuger Christoph Leich die Band 2018 verlassen haben, blieb Frontmann Frank Spilker als letztes Ur-Mitglied der Sterne allein zurück. Das Sternchen hinter dem selbstbetitelten neuen Album der Hamburger Indie-Pop-Rock-Band deutet auf die veränderte Besetzung hin. Keine feste Formation mehr, sondern eine Kollaboration mit diversen Gästen. Auf dem neuen Sterne-Album sind Jan Philipp Janzen und Phillip Tielsch von der Kölner Band Von Spar für den Rhythmus verantwortlich, und neben den bisherigen Sterne-Livemusikern Dyan Valdes und Max Knoth sind noch  das Kaiser Quartett, Carsten „Erobique“ Meyer und die Düsseldorf Düsterboys daran beteiligt.

Die Sterne 2020: Vom Bandkorsett befreit

Die Sterne Albumcover PIAS Reordings

Songwriter und Sänger Frank Spilker befreit sich also vom Bandkorsett, genießt die neuen Freiheiten und erweitert seinen Sound hin zu Disco, Krautrock und Italo- und Psychedelic-Pop. „Das Herz schlägt aus nach allen Seiten“, singt er dementsprechend im Eröffnungssong  „Das Herz schlägt aus“, wo ein bräsiges Vintage-Synthie in eine gar liebliche Folkmelodie grätscht und eine Wah-Wah-Gitarre sowie klöppelnde Percussion den Takt vorgeben. In „Der Palast ist leer“ überführt das Kaiser Quartett den Go-Betweens- und frühen The Cranberries-Indie-Pop in überschwängliche Orchester-Pop-Gefilde, bevor es mit dem Italo-Disco-Funk-Pop von „Der Sommer in die Stadt wird fahren“ ohne Umwege auf die Tanzfläche geht. Und wenn man sich wie Frank Spilker von allen Zwängen befreit, dann kommt so ein herrlich lässiger, die Faulheit verteidigender Text wie bei „Du musst gar nix“ zustande. Und der Songwriter gewinnt an weiterer Coolness. Auf über sieben Minuten streckt sich dieser legere Krautrock-Pop, wie früher in der Zeit der Maxi-Singles.

Disco-Glitzer-Sound und Psychedelic-Folk

Großer Indie-Pop mit Psychedelic-Touch gelingt Spilker und den Seinen mit dem bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellten „Hey Dealer“ und fast wie vor 25 Jahren klingen Die Sterne im treibenden und melodiösen Indie-Pop-Rock von „Wir kämen wieder vor“, der am Ende in Richtung Neil Young schielt. Im düster-beklemmenden „Das Elend kommt (nicht)“ sinniert Spilker über einige unhaltbare Zustände dieses Landes und wirft noch gleich ein bitter-böses „Die Message“ hinterher. Im Disco-Glitzer-Sound von „Die besten Demokratien“  fragt er die Wähler einer bestimmten Partei direkt ins Gesicht: „Und wenn ihr die Faschos jetzt schon selber wählt / Was wollt ihr dann tun, dass man euch nicht dazu zählt?“. Mit dem Psychedelic-Folk-Kleinod „Halb vergangener Tag“ feiern Frank Spilker seine Mitstreiter noch den Hedonismus der Party-Nacht und beenden damit ein ziemlich gutes Sterne-Album

„Die Sterne*“ von Die Sterne erscheint am 28.02.2020 bei PIAS Recordings. (Beitragsbild von Brigitta Jahn)

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