Die Rückkehr aufs Land 3 – Comic

Die Rückkehr aufs Land 3 – Comic

200 Seiten Glück bietet „Die Rückkehr aufs Land 3“, der neue Comic von Jean-Yves Ferri und Manu Larcenet

Letztes Jahr im Frankreichurlaub. Im Comicregal des örtlichen Kramladens, zwischen Asterix und Spiderman stand strahlend blau und neu „Le retour a la terre 6“ von Manu Larcenet und Jean-Yves Ferri. „Die Rückkehr aufs Land“, so der deutsche Titel, ist eine autobiographische Süßigkeit aus den 2000ern, bei der man gar nicht anders kann, als ihr in Liebe zugetan sein und sehnsüchtig die nächste Folge zu erwarten. Die aber kam und kam einfach nicht. Den Franzosen ging’s ja noch schlimmer – die mußten 11 Jahre auf Teil 6 warten. In Deutschland, wo immer zwei Teile in einem Band veröffentlicht werden, kam „Die Rückkehr aufs Land 2“ (Teil 3 und 4, in Frankreich 2006 erschienen) erst 2013 auf den Markt.

Das lange Warten auf „Die Rückkehr aufs Land 3“

Für Manu Larcenet aber war das schon die Zeit von „Blast“. Nichts hätte weiter entfernt sein können von der krakeligen ländlichen Idylle der „Rückkehr“-Bände als dieses ausufernde, spektakuläre und in jeder Hinsicht schwergewichtige Mörderepos. Hintendrauf gab’s dann den düsteren Literaturcomic „Brodecks Bericht“ – schwarzweiß, lakonisch und bleischwer. „Chapeau!“ mochte man rufen. „Die neunte Kunst kann stolz auf dich sein, Manu. Du bist wahrlich einer der Größten deiner großartigen Generation und es ist dein gutes Recht, zu experimentieren.“ „Aber…“ – setzte der Aficionado in mir hinzu – „… wo finde ich was zum Lachen? Und was macht Ferri?“ Ferri – das weiß jedes Kind – machte Asterix. Man mußte befürchten, daß es das gewesen war mit der autobiographischen Süßigkeit.
Plötzlich stand das da rum, aber mein Französisch ist so miserabel, daß es mit Ach und Krach für „Captain Biceps“ reicht. Also weiter warten. Und warten. Und warten. Und jetzt ist endlich alles gut. Reprodukt hat geliefert. Dick und blau liegt „Die Rückkehr aufs Land 3“ im Gästeklo und erklärt uns in halbseitigen Strips und über ein ganzes Knäuel roter Fäden die ganz spezielle Welt des Comiczeichners Manu Larssinet, der in einem französischen Provinzkaff mit der Angst vorm Vatersein kämpft, seiner Frau auf die Nerven geht und manchmal zu arbeiten versucht.

Der Inhalt

Im Großen und Ganzen hat sich in dieser Welt seit Band 2 nicht viel getan. Das Töchterchen wächst heran, der Kater macht Unsinn, der Bürgermeister ist etwas trottelig und von skurriler Machtversessenheit. Die Atlanter aus dem Dorfteich – hilfreiche Ratgeber bei nächtlicher Apnoe – futtern heimlich den Thunfisch aus dem Kühlschrank. Die alte Madame Mortemont beglückt weiterhin den Gemüsegarten mit ihrer gruselig kittelschürzigen Präsenz – aber sie hat jetzt ein Handy. Der Eremit hat das Schweben am Regenschirm so weit perfektioniert, daß er Salti schlägt. Manu hat derart Angst vorm Vatersein, daß er die erneute Schwangerschaft von Mariette aktiv verdrängt.

Manus Kumpel und Szenarist Ferri taucht irgendwann ab, weil er Asterix machen muß, was Manu aufs Gemüt schlägt. Dafür schickt der Verlag einen Manager in die Provinz, der ihn überreden soll, einen rotznasigen Revolverhelden namens „Nasty Bonzo“ zu zeichnen. Natürlich verirrt der Manager sich in der Wildnis und wird von einer Kommune religiös hysterischer Dropouts gerettet. Bei den Larssinets hingegen entwickelt sich die Suche nach einer Tagesmutter zu einem Desaster – zu ihrem Entsetzen müssen sie feststellen, daß Madame Mortemont die beste Kandidatin ist. Manu entdeckt eines Tages in einem Labyrinth aus Pappkartons (da waren Katzennuggets drin) die fünfte Dimension, in der ihm der Geist seines Vaters erscheint. Die Kinder unterhalten sich in fehlerhafter Schreibschrift – unglaublich süß! Und zu guter Letzt taucht Ferri aus der Versenkung auf und sie machen zusammen Band 6.

„Die Rückkehr aufs Land 3“: Bunt, fröhlich und meisterhaft gezeichnet

Dieser Riesenhaufen an wirrem Zeug ist bunt und fröhlich und meisterhaft gezeichnet – mit einem Strich, der sich in den 11 Jahren zwischen Teil 5 und 6 deutlich gewandelt hat. Er ist hochintelligent erzählt, zutiefst menschlich und total albern. Natürlich hat er satirische Anteile; wer’s nötig hat, kann etwas Gesellschaftskritik finden und ein mehrdeutiges Spiel mit gängigen Klischees provinziellen Hinterwäldlertums. Geschenkt. Wesentlich ist eine Aura tiefgründiger Leichtigkeit, wie sie nur wenige Werke erreichen – vielleicht nur solche, auf die man sieben Jahre gewartet hat. Asterix hin oder her – Ferris wahre Bestimmung ist „Die Rückkehr aufs Land“. Das sind knappe zweihundert Seiten Glück. Entzücken. Lachen. In einer Zeit, da einem manchmal nur Eskapismus der hartgesottensten Sorte helfen kann, ist das genau das Richtige.

„Die Rückkehr aufs Land 3“, Comic von Jean-Yves Ferri und Manu Larcenet Reprodukt, Berlin 2020, ISBN 978-3-95640-219-7, 24 € (Beitragsbild: Comic-Cover)

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