Die Nerven: Fake – Album Review

Die Nerven: Fake – Album Review

Einfach überwältigend

Das Album ist 1 Minute und 18 Sekunden alt, als ich das erste Mal überwältigt bin. Es läuft der Opener „Neue Wellen“, ein düsterer Brocken von Song, in dem Max Rieger die wenigen Worte langzieht und ausspuckt wie versehentlich verschluckte faule Nüsse. Zwischen die Strophen setzt das Trio mitreißende Instrumental-Passagen voller Akkord- und Rhythmuswechsel. Es ist die perfekte Einstimmung auf ein Album, das schon Tage vor seiner Veröffentlichung zum besten deutschsprachigen Album des Jahres gekürt wurde.

Die Nerven Fake AlbumcoverKeine der zahlreichen Rezensionen zu „Fake“ kam bislang ohne Superlativ aus. Die Nerven bedienen offenbar eine Sehnsucht und füllen eine Lücke aus, die sonst niemand schließen konnte. Es ist die spürbar echte Wut, der völlig ungeschönte Auftritt des Trios, der ohne heimlichen Blick auf Zeitgeist oder Verkaufszahlen auskommt und genau deshalb so befreiend ist. Jedes Stück trägt diese entwaffnende Aufrichtigkeit, vertont in einer Mischung aus Postpunk und Hardcore. Auf den ersten Blick am stärksten sind das hymnische, bei Sounds & Books bereits als Song des Tages aufgefallene „Niemals“, das doppelköpfige „Alles falsch“ sowie das bedrohlich treibende „Skandinavisches Design“.

Aber auch der Rest ist von solch durchdringender Intensität, dass es einem mitunter die Sprache verschlägt. Diese Band spielt gegen die Welt an, gegen ihren und den eigenen Verfall. Mutig, hässlich und mit umwerfenden Songs. „Fake“ tut weh und gut zugleich. Es ist der Soundtrack zum Hier und Jetzt und – da reihe ich mich gerne ein – die beste deutschsprachige Platte, die ich seit langem gehört habe. Wie gesagt: Überwältigend.

„Fake“ von Die Nerven ist am 20.04.2018 bei Glitterhouse Records / Indigo erschienen ((Beitragsbild: Die Nerven by Christian Bendel).

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