Die Heiterkeit live in Hamburg – Konzertreview

Die Heiterkeit live in Hamburg – Konzertreview

Gute Vibes beim Album-Release-Konzert von Die Heiterkeit am 07.06.2016 im Hamburger Golem

Text und Fotos von Gérard Otremba

Den Eröffnungssong des neuen Albums Pop & Tod I+II, spielen sie dann doch nicht. Es wäre wohl reichlich deplatziert gewesen, „Die Kälte“ anzustimmen bei sommerlichen Abendtemperaturen von weit über 20 Grad, im Golem sicherlich noch ein paar mehr. Durchaus verständlich, das ausverkaufte Konzert bei diesen äußerlichen Bedingungen erst kurz von 22 Uhr anzufangen. Anfänglich geht Stella Sommers Gesang noch etwas unter, verharren „Weiße Elster“, „Alles ist so neu und aufregend“ und „Betrüge mich gut“ dementsprechend im Schrammel-Indie-Pop, bevor der Sound bei „Panama City“ wesentlich transparenter wird. Die Heiterkeit wirkt auf der kleinen Bühne im intimen Club an der Elbe wie eine Garagen-Indie-Pop-Band von nebenan, die die besten Freunde zu einer Session eingeladen hat.

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Jedoch der Festlichkeit eines Album-Release-Konzertes angemessen, tragen Stella Sommer (Gesang, Gitarre), Sonja Deffner (Keyboard, Gesang) und Hanitra Wagner (Bass, Gesang) schwarze Kleidung, Schlagzeuger Philipp Wulf dezentes Grau, das Album-Thema des am Freitag veröffentlichten Werkes, Pop & Tod I+II, ein schweres und gewichtiges. Dass die Zuhörer unter der vermeintlichen Last nicht einbrechen, liegt an den zauberhaften Melodien und die mehr poetischen als verkopften Texte Stella Sommers. Bei ihrem dunklen, getragenen und erhabenen Gesangsstil gewinnt man häufig den Eindruck, sie rezitiere ein Gedicht, wie es Sommer beim so minimalistisch beginnenden und rabiat endenden „Komm mich besuchen“ eindrucksvoll beweist. Die Heiterkeit spielt zwölf der zwanzig auf Pop & Tod I+II enthaltenen Stücke, dazu „Alles ist so neu und aufregend“ und „Alle Menschen“ vom Debüt Herz aus Gold sowie als zweite und letzte Zugabe „Die Heiterkeit ist hier gewesen“ vom Monterey-Album.

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Die Band wirkt konzentriert und unaufgeregt, der Publikumskontakt spartanisch. Von den vielen guten Songs der neuen Platte gehören der Album-Titelsong „Pop & Tod“, „Im Zwiespalt“ sowie „Dünnes Eis“ zu den Konzerthighlights. Für gute Vibes im Golem sorgen all die anderen Songs ebenfalls, darunter auch „Schlechte Vibes im Universum“. Nach einer knappen Stunde ist der erste Live-Auftritt mit Songmaterial von Pop & Tod I+II leider wieder vorbei. Stella Sommer betritt noch mal die Bühne, bedankt sich bei Publikum und entschuldigt sich, mehr Songs hätten sie noch nicht geprobt. Aber bis zur Deutschland-Tour im September und November sind ja noch ein paar Wochen Zeit.

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Kommentare

  • Hab mir jetzt mal, vor allem auch dank der guten Kritiken, das neue Album bestellt. Ohne reinzuhören. Das Debüt fand ich ja, nachdem mich, die Vorabsingle damals ziemlich begeisterte, dann aber eher schwach bis unnötig. Bin gespannt. Live leider immer verpasst.

    • Das war erstaunlicherweise auch mein erstes Konzert von Die Heiterkeit, ständig ist mir in den letzten Jahren bei den Hamburg-Terminen etwas dazwischen gekommen. Ich fand das erste Album durchaus lustig, sehr im Lassie Singers-Modus und die mochte ich schon vor 20 Jahren und erlebte sie leider nie live…

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