Die Arbeit: Material – Albumreview

Die Arbeit: Material – Albumreview

Die Dresdner Band Die Arbeit glänzt mit einem einwandfreien Debütalbum

Unter dem Namen Die Arbeit spielt die Band erst seit 2018. Keine allzu lange Zeit, um ein so gnadenlos auffallendes Album wie „Material“ zu veröffentlichen. Und das auch noch als Debüt. Allerdings existiert die Band in ihrer Besetzung bereits einige Jahre länger, nannte sich vorher Leo Hört Rauschen und setzte schon 2015 mit der Platte „Modern, Modern“ ein Ausrufezeichen in den Post-Punk- und New-Wave-Gefilden dieses Landes.

Die Arbeit auf den Spuren von Die Nerven und Messer

Die Arbeit Material Cover Undressed Records

Nun also die konsequente Fortführung unter neuem Namen und ein ruhmreicher Fingerzeig in die Richtung von Bands wie Die Nerven oder Messer. Auf „Material“ katapultiert uns das Quartett in die End-70er- und Früh-80er-Jahre, als DAF und Fehlfarben den Ton im deutschen Underground angaben und die Speerspitze der damaligen Neuen Deutschen Welle bildeten. Die Arbeit nimmt den Faden auf und proklamiert „Nie wieder Leistung“ im abschließenden Song „Lonely Dance“. Dieser dreht sich geradezu gemütlich im Kreis, von seltenen schroffen, später auch dezent im Universum verhallenden Gitarren untermalt. Wesentlich dynamischer, von treibenden Bässen nach vorn gepuscht, werfen Sänger und Gitarrist Maik Wieden, Gitarrist Uwe Hauptvogel, Bassist Benjamin Rottluff und Schlagzeuger Marius Jurtz das Album mit „Gott Generator“ an.

Vom Post-Punk zum Indie-Rock-Pop

Berlin, Mauer, Isolation, das Jahr 1980 sind die Assoziationsstichworte, die einem spontan durch den Kopf jagen. Aufgepeitscht schmettert uns Wieden die parolenhaften Zeilen „In jeder Uniform steckt ein Mann aus Plastik / Die Werte der Reform vergrößern seine Spastik“. Ton Steine Scherben reloaded. Die Arbeit machen ihre Arbeit vorbildlich. Ungestüm in „Haut, Knochen und Gesichter“, überwältigend bei „Leichen“, radikal in „Im Büro“. Es bleibt der Band „Keine Zeit für Ironie“, einer der melodischsten und wehmütigsten Songs auf „Material“, der schön in Richtung Tocotronic schielt. Dort kommen die Sachsen endgültig mit „Könige im Nichts“ an. Wiedens Gesang ähnelt Dirk von Lowtzows, ohne diesen zu kopieren, und die Band findet den geschmeidigen Übergang vom Post-Punk zum Indie-Rock-Pop. Mehr Indie-Hit-Potential geht eigentlich nicht. Und mit dem Album sollte Die Arbeit richtig durchstarten können.

„Material“ von Die Arbeit erscheint am 21.01.2020 bei Undressed Records. (Beitragsbild von Tine Jurtz)

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