Die Alben des Jahres 2020 von Gérard Otremba

Die Alben des Jahres 2020 von Gérard Otremba

Die 25 Alben des Jahres 2020 von Sounds & Books-Chefredakteur Gérard Otremba

Meine Kollegen Michael Thieme und Sebastian Meißner hatten in den letzten beiden Tagen bereits das Vergnügen, ihre Alben des Jahres 2020 vorzustellen. Nun obliegt es mir, abschließend auf das Musikjahr zurückzublicken. Ein Jahr, in dem wir coronabedingt auf unfassbar viele Konzerte verzichten mussten, das uns aber auch grandiose Alben schenkte. Normalerweise sind neue Platten von Jeff Tweedy und Fleet Foxes in meiner Endjahresliste gesetzt. Beide Alben erscheinen in physischer Form jedoch im Januar, respektive Februar 2021, werden dementsprechend erst dann von mir rezensiert und finden sich aller Wahrscheinlichkeit nach in der Liste der Alben des Jahres 2021. Bis dahin wünsche ich viel Spaß mit meinen

Alben des Jahres 2020

1. Bruce Springsteen: Letter To You

Wenn das Glöckchen wieder erklingt, Roy Bittan mit seinem Piano Songs eröffnen darf und das Saxophon gar himmlisch ertönt, dann ist Bruce Springsteen wieder mit der E Street Band vereint. Und wenn sich dabei auch noch solch phänomenale Stadionrockhymnen im Ergebnis niederschlagen wie auf „Letter To You“, dann springt das Werk folgerichtig auf Platz 1 in meiner Liste der Alben des Jahres 2020. Jetzt müssen wir 2021 nur noch Corona besiegen, damit wir 2022 die Songs live in Deutschland hören können. It’s Boss-Time. Beste Songs: „Ghosts“, „Burnin‘ Train“, „Song For Orphans“.

2. Laura Marling: Song For Our Daughter

Seit Jahren schon veröffentlicht Laura Marling, die legitime Joni-Mitchell-Nachfolgerin, exquisite Alben. Diesmal verhinderte nur der „Boss“ einen erneuten Triumph, wie er der britischen Songwriterin zuletzt 2015 in meiner Liste gelang. Beste Songs: „Alexandra“, „Strange Girl“, „Only The Strong“.

3. Bob Dylan: Rough And Rowdy Ways

Allein diese bekackte Corona-Pandemie konnte Dylans „Never-Ending-Tour“ unterbrechen. Auf seinem ersten Album mit neuem Material seit acht Jahren („Tempest„) zeigt der Altmeister seine ganze Songwriter-Klasse. Beste Songs: „Murder Most Foul“, „Key West (Philosopher Pirate)“, „Black Rider“.

4. Paul McCartney: McCartney III

Kurz vor Torschluss erschien das beste Album von Paul McCartney seit circa „Band On The Run“. Beste Songs: „Find My Way“, „Deep Deep Feeling“, „The Kiss Of Venus“.

5. Native Harrow: Closeness

Folk-Rock-Freunden der alten Schule geht hier das Herz auf. Achtet mir auf das amerikanische Duo, das von Platte zu Platte besser wird und den Laurel-Canyon-Sound mit The Band, Bob Dylan und Joan Baez zusammenführt. Beste Songs: „Shake“, „The Dying Of Ages“, „Carry On“.

6. Ben Watt: Storm Damage

Der Mann hinter Everything But The Girl hat uns ein perfektes Songwriter-Album geschenkt. Zehn barmnend-schöne Tracks. Beste Songs: „Sunlight Follow The Night“, „Figures In The Landscape“, „Hand“.

7. Nick Cave: Idiot Prayer

Caves Quintessenz, heruntergebrochen auf Piano und Stimme. Balsam für die geschundene Seele. Beeindruckende Interpretationen u.a. von „Brompton Oratory“, „(Are You) The One That I’ve Been Waiting For?“ und „Higgs Bossom Blues“.

8. Bright Eyes: Down In The Weeds, Where The World Once Was

Conor Oberst lieferte auch gute Solo-Platten und konnte gut mit Phoebe Bridgers. Aber so ein Bright-Eyes-Album hat man eben doch neuen Jahre lang vermisst. Beste Songs: „Dance And Sing“, „Just Once In The World“, „Tilt-A-Whirl“.

9. Ron Sexsmith: Hermitage

Der Kanadier komponiert immer noch die geschmeidigsten, elegantesten und romantischsten Lieder. Schönste Beispiele: „You Don’t Wanna Hear It“, „When Love Pans Out“, „Chateau Mermaid“.

10. Elvis Costello: Hey Clockface

Lebendig, abwechslungsreich und mit großartigen Balladen bestückt. Beste Songs: „No Flag“, „I Do (Zula’s Song)“, „The Last Confession Of Vivian Whip“.

11. Travis: 10 Songs

Ich gerate ja schon beim Bandnamen ins Schwärmen. Hier kann man wieder so schwärmen wie Ende der 90er. Und Susanna Hoffs von den Bangles singt auch noch mit. Wie schön.

12. Phoebe Bridgers: Punisher

Filigran-veruschter Indie-Folk-Perlen. Bridgers wird auch immer besser.

13. Eels: Earth To Dora

Tröstende, lässige, edle und sehr beatleske Eels-Songs.

14. Pauls Jets: Highlights zum Einschlafen

Hier ist gar nichts zum Einschlagen. Nur Highlights. Österreichs Band des Jahres.

15. Rufus Wainwright: Unfollow The Rules

Nach Opern-Ausflügen sitzt Wainwright jetzt wieder fest im Pop-Sattel. Gut so.

16. The Jayhawks: XOXO

Die schönste Americana-Platte des Jahres.

17. Lucinda Williams: Good Souls Better Angels

Griffiger Blues-Rock und würdevolle Balladen. Lucinda Williams überzeugt voll und ganz.

18. Slow Leaves: Shelf Life

Herzzerreißend schöner Songwriter-Folk-Pop-Rock, der mal Nick Drake, mal Tim Buckley und mal R.E.M. evoziert.

19. Stella Sommer: Northern Dancer

Musik zwischen betörender Zartheit und sanfter Hingabe. Sommers zauberhafter Spaziergang durch die Melancholie.

20. Neil Young: Homegrown

Neil Youngs musikalischer Brückenschlag zwischen „Harvest“ und „Comes A Time“ erschien also 45 Jahre später dann doch noch. In den 70ern spielte er einfach die beste Musik seines Lebens.

21.Wayne Graham: 1% Juice

Wayne Graham wandeln auf Wilco-Spuren.

22. Les Maries: Wir brauchen heute nicht mehr rauszugehen

Formidabler Indie-Chanson-Pop des Hamburger Duos Les Maries. Einfach mal hineinfallen lassen…

23. Bill Callahan: Gold Record

Nicht nur Gold im Titel, sondern auch die Songs sind goldwert.

24. Hello Emerson: How To Cook Everything

Vielschichtiges Americana-Indie-Folk-Rock-Album in der Tradition von Conor Oberst und Ryan Adams.

25. The Innocence Mission: See You Tomorrow

Formvollendeter, anmutiger Vintage-Indie-Folk.

(Beitragsbild: Bruce Springsteen von Danny Clinch)

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