Desiree Klaeukens: Wenn die Nacht den Tag verdeckt – Album Review

Desiree Klaeukens: Wenn die Nacht den Tag verdeckt – Album Review

Ein überzeugendes Album-Debüt der Liedermacherin Desiree Klaeukens

von Gérard Otremba

Es stimmt natürlich, was Desiree Klaeukens singt. „Es ist nicht immer der Sex, der alles verändert“. Manchmal reicht schon ein Song, oder eine Platte. Wenn die Nacht den Tag verdeckt ist eine Platte, die, wenn schon nicht alles, dann doch vieles verändert. Das Debütalbum der in Duisburg aufgewachsenen Klaeukens berührt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die mittlerweile in Berlin lebende Songwriterin besticht durch ihre lakonischen Texte, ihren sensiblen und nachdenklichen Gesang und Songs, die von ihrer Begleitband perfekt in Szene gesetzt werden. Stephan Gade am Bass, Tim Lorenz am Schlagzeug, Philipp Steinke am Klavier sowie Gitarrist Florian Glässing zaubern auf allen elf Stücken einen wie beiläufigen, dezenten und doch so wirkungsvollen, warmen und intimen Sound. Abgesehen von Marla Blumenblatt (wenngleich auf einem etwas anderen musikalischen Terrain), hat  mich seit den letzten beiden Platten von Maike Rosa Vogel kein deutsches Liedermacheralbum mehr auf Anhieb so überzeugt, wie Wenn die Nacht den Tag verdeckt von Desiree Klaeukens. Mit dieser Platte ist Klaeukens auf dem besten Weg, in die erste Liga der deutschen Songwritergilde aufzusteigen, um bald in einem Atemzug mit Gisbert zu Knyphausen oder dem verehrenswerten, seligen Hamburger Liedermacher Nils Koppruch genannt zu werden.

Das Talent dazu hat sie zweifellos. „Warm in meinem Herz“ wird es sofort, wenn ich ihre Stimme vernehme, die legere Bandbegleitung im Hintergrund, ja, das ist eine deutsche Antwort auf Suzanne Vega, 27 Jahre nach Solitude Standing. Klaeukens singt vorsichtig, bedächtig und zurückhaltend, mit einer sich ausbreitenden Melancholie, die in den letzten drei Liedern „Willst du Wissen“, „Herbst“ und „Fallen“ eine verträumt-romantische Note erfährt, immer gefühlvoll und nicht gefühlig, zart und zerbrechlich, den Tränen nah. „Will dich zu sehr“ und „Züge“ changierend wunderschön zwischen Hoffnung und Sehnsucht, untermalt von einer sanften Trompete sowie eines unaufdringlichen Banjos. Gar anmutig erklingt die Verletzlichkeit im Song „Zwei Tage“,  in dem Klaeukens singt: „Regen spült das Salz aus meinen Wunden“. Im eindrucksvollen „Zwischenraum“ spricht Desiree Klaeukens ihren Text nur noch, ganz in sich gekehrt, während die Band für „Verliebt in dich“ das Tempo verschleppt und feine Americana-Tupfer setzt. In „Kompliziert“ dürfen Klaeukens‘ Begleitmusiker vergleichsweise flott aufspielen, das Ergebnis ist allerschönster Songwriter-Pop. Alle elf Songs auf Wenn die Nacht den Tag verdeckt lassen einem das Herz aufgehen und es tut so wahnsinnig gut, Desiree Klaeukens zu hören.

Wenn die Nacht den Tag verdeckt“ von Desiree Klaeukens ist am 31.01.2014 bei Tapete Records erschienen.

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