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7. April 2026Der Singer-Songwriter Michael Moravek im Sounds & Books-Interview zu seinem herausragenden deutschsprachigen Album über den Hitler-Attentäter Georg Elser
Interview von Werner Herpell
Seit Jahren stimmt Sounds & Books Loblieder auf den Ravensburger Singer-Songwriter Michael Moravek an. So war hier über sein bisher letztes Werk „Night Songs“ von Anfang 2025 zu lesen, es gehöre „zu der Sorte der leisen, aber wirkungsvollen Alben. Ein zum aufmerksamen Zuhören einladendes, in seiner Feinheit auch magisches Album. Einfach mal die Augen schließen und genießen.“ Das kann man jetzt beim Nachfolger „Georg“ ebenso tun, und vor allem das aufmerksame Zuhören lohnt angesichts der Texte mehr denn je.
Diese Platte ist die erste deutschsprachige in der Karriere von Moravek, und sie hat ein besonders bedeutsames Thema: das Schicksal des Hitler-Attentäters Georg Elser (1903-1945) – und die bis heute relevante Botschaft des Widerstandes gegen Totalitarismus und Diktatur. Mit seiner Band Electric Traveling Show hat der renommierte Sänger, Songschreiber und Gitarrist ein Album eingespielt, das auf die am Theaterhaus Stuttgart aufgeführte Produktion „13 Minuten – Wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte“ zurückgeht. Wir haben Michael Moravek zu dieser in jeder Hinsicht herausragenden Songsammlung befragt.
Von Jack London zu Georg Elser
Hallo Michael, es freut mich sehr, mit dir über „Georg“ zu sprechen. Es ist dein erstes deutschsprachiges Album und, in diesen Zeiten des auch (ausgerechnet!) in Deutschland um sich greifenden Rechtsextremismus, vielleicht dein wichtigstes. Die Lieder über den Widerstandskämpfer und knapp gescheiterten Hitler-Attentäter Georg Elser gehen auf eine freie Theater-Produktion von 2024 zurück, die du zusammen mit Bernd Wengert gemacht hast: „13 Minuten – Wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte“. Erzähl uns bitte etwas über diese Vorgeschichte der neuen Platte.
Michael Moravek: Hallo Werner, freut mich auch. Vielen Dank für dein Interesse an meinem neuen Album. Da muss ich jetzt in Gedanken zurückgehen. Es war Anfang 2022, als Bernd Wengert und ich uns in einem Konstanzer Café trafen. Wir wollten darüber sprechen, welchen Stoff wir nach unserem letzten Bühnenstück, einer Moby-Dick-Adaption, in Angriff nehmen wollten, um ein neues Stück auf den Weg zu bringen. Bernd ist ein ausgesprochen toller Schauspieler und Regisseur, mit dem ich sehr gerne zusammenarbeite. Zudem ist er sehr musikbegeistert. Für das Melville-Stück hatte ich damals zehn Songs geschrieben. Daraus wurde dann das Album „November“. Bernd schreibt das Skript, und ich arbeite parallel an den Songs, und bei jedem neuen Song passt Bernd das Skript an, weil die Songs eigenständige Erzählstränge sind und kein
atmosphärisches Beiwerk. Sie ergänzen die Geschichte und bewegen sie weiter.
Nun saßen wir also da, und ich erinnere mich, dass Bernd Jack London vorschlug. Es bediente unsere gemeinsame Vorliebe für maritime US-amerikanische Literatur, und in jedem Fall finde ich Jack Londons Geschichten absolut reizvoll für die Bühne. Nun war es aber so, dass ich wenige Wochen zuvor auf einer Zugfahrt eine Podcast-Folge über Georg Elser gehört hatte, mit Nina-Friedericke Gnädig als Sprecherin. Natürlich kannte ich die Geschichte des schwäbischen Handwerkers, der versucht hatte, Hitler zu stoppen. Aber die Erzählung fesselte mich, und zum ersten Mal wurde mir bewusst, in welcher Einsamkeit dieser Mann seine Entscheidungen getroffen haben musste.
Das bewegte mich, und in den folgenden Tagen und Wochen besorgte ich mir Texte und Bücher und begann, mich ausführlicher damit zu beschäftigen. Ich warf also spontan Elser in den Ring – der dramatische Verlauf seiner Geschichte war aus meiner Sicht eine Story, …




