Debbie Clarke: Manhattenhenge

Debbie Clarke: Manhattenhenge

Eleganter Grandezza-Pop für die Mainstream-Radiosender

von Gérard Otremba

Hier will eine junge Sängerin eindeutig hoch hinaus. Mit Wohnzimmer-Folk gibt sich die Anfang 20-jährige Waliserin Debbie Clarke auf „Manhattenhenge“ nicht zufrieden. Eleganz und Grandezza gehören zum Muss in den Arrangements auf Clarkes Debut-Album, um ihre die klassisch geschulte Stimme in Szene zu setzen. Produziert wurde die Platte vom alten Hasen Toni Visconti, der schon mit David Bowie, T. Rex und U2 zusammengearbeitet hat und sich auf Anhieb in Debbie Clarkes Stimme verliebte. Herausgekommen ist eine nach Perfektion schreiende Produktion. Es paßt alles. Hintergrundchöre, orchestrale Begleitung, das Timing der Musiker, jeder Einsatz auf seinem Platz, alles Profis, die nichts falsch machen. Und das ist Fluch und Segen zugleich. Es kling alles zu perfekt. Die Art von Musik, mit der man sowohl die Popcharts erklimmen kann, aber auch in der großen Samstagsabend-Show von Carmen Nebel zu hören sein wird. Debbie Clark kann schön singen, zweifellos, aber sie berührt zu selten. Ganz wunderbar funktionieren Songs wie „Lay Down“, das sich als euphorischer Soul-Gospel-Pop entpuppt und als Single eigentlich zünden müßte sowie beim zarten „Love Keeps Growing“, das den Charme der schönsten Carpenters-Songs entwickelt. Schmuse-Folk-Pop für die Mainstream-Radiosender. Definitiv verhebt sich Debbie Clarke bei den Dylan-Songs „Dear Landlord“ und „I Pitty The Poor Imigrant“, die einfach zu seicht rüberkommen und auch „Bird On The Wire“ besitzt nicht die Leonard Cohen-Tiefenwirkung, während „Saint Of Me“ von den Stones im großen Dramolett endet. Wesentlich interessanter und hörbarer Clarkes Version des Del Amitri-Hits „Nothing Ever Happens“, der hier als pittoresker Folk-Pop präsentiert wird. Hier bilden Songauswahl, Arrangement und Stimme eine stimmige Einheit. Insgesamt bleibt „Manhattenhenge“ von Debbie Clarke aber doch zu gefällig und mit einigen Manierismen behaftet.

“Manhattenhenge” von Debbie Clarke ist bei Warner erschienen.

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