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1. September 2025Der große Pop-Intellektuelle David Byrne bleibt auf seinem neuen Album unpolitisch. „Who Is The Sky?“ funktioniert als Anti-Frust-Platte.
von Werner Herpell
Es ist nun wirklich keine gute Zeit für Intellektuelle in den USA. Die himmelschreiende Dummheit der vielen Trump-Wähler, die beängstigende Bösartigkeit eines offensichtlich senilen oder gar geisteskranken Präsidenten und seiner sinistren Speichellecker, faschistoide Attacken auf Medien und Kultur – ach, es ließen sich noch viele üble Tendenzen im früheren „Land of the Free“ nennen, die klugen Menschen wie David Byrne die Laune verderben und traurige Lieder einflüstern könnten.
Ein Festival des musikalischen Frohsinns
Aber: nichts davon zu spüren auf der neuen Platte des
einstigen Frontmanns und Songschreibers der Talking Heads, immerhin einer der cleversten Bands der Pop-Historie. „Who Is The Sky?“ ist ein Festival des musikalischen Frohsinns, eines beschwingten Eskapismus.
Das soll gar keine Kritik sein – nicht jeder Künstler in den USA, auch nicht einer der intelligentesten des großen Landes, muss andauernd die Alarmglocken läuten oder mutige Brandreden gegen Trump und Konsorten schwingen wie Bruce Springsteen, Neil Young und Jack White. Aber dass der ausgewiesene Freigeist, Worldmusic-Pionier, Klimaschützer und Globalist David Byrne fast ein dreiviertel Jahr nach Donald Trumps Amtsantritt (oder MAGA-Machtübernahme ohne absehbares Ablaufdatum?) hier ein so federleichtes, helles und ja, durchaus auch schönes, wohltuendes Album präsentiert, das erstaunt dann doch.





