David Bowie: Sound+Vision – Album Review

Neu aufgelegte David Bowie-Werkschau mit Songs von 1969 bis 1993

von Gérard Otremba

Nun endlich die Gelegenheit, an dieser Stelle einen der wichtigsten Pop-Künstler der Geschichte zu würdigen, nämlich David Bowie. Sein letztes Jahr erschienenes Album The Next Day, das die vollkommen absurde Debatte auslöste, ob man eine neue Platte des verdienten Musikers David Bowie negativ bewerten könne (natürlich kann man das), war bis auf zwei sehr gute Songs eine eher durchschnittliche Angelegenheit, eine CD-Kritik fiel hier der mangelnden Zeit zum Opfer. Die zuletzt 2003 veröffentlichte und nun wiederaufgelegte 4CD-Box Sound+Vision wiederum gibt einen schönen Einblick in die Schaffensperiode des englischen Musikers zwischen 1969 und 1993. Wie es sich für eine Werkschau gehört, wird auf Sound+Vision keine reine Best-Of-Compilation geliefert, sondern auch Abseitiges und Rares präsentiert, von der „Space Oddity“-Demoversion, über die US-Single Version von „Rebel Rebel“ bis hin zur deutschen „Heroes“-Variante, dem `89-Remix von „Helden“. Bowies Output in den 70er-Jahren war ein nie versiegender Quell wandlungsfähiger und exzellenter Pop-Rock-Musik, er erfand sich und seine Kunst fast jährlich mit jeder veröffentlichten Platte neu. So mag „Changes“ als der passendste Synonym-Song für den Musiker David Bowie stehen. Es verwundert also nicht, dass sich fast die kompletten ersten die CDs mit den Jahren 1970-1980 beschäftigen.

David Bowies Klassiker aus den 70er Jahren

Songs von den stilprägenden Alben The Man Who Sold The World, Hunky Dory, The Rise And Fall Of Ziggy Stardust, Aladdin Sane, Pinups, Diamond Dogs, Young American, Station To Station, Low, Heroes bis hin zu Scary Monsters sind vertreten, dazu Aufnahmen aus den Live-Alben David Live (u.a. „Ziggy Stardust“ und „Rock’n’Roll Suicide“) von 1974 sowie Stage (mit „Station To Station“ und „Warszawa“) von 1978. Und wer schon immer mal wissen wollte, wo ein gewisser Prince seine Inspirationen herhatte, der höre sich nur mal „After Today“, das Outtake aus Young Americans an. Nur um die Frage nach dem wahren Genie zu klären. Doch wie es sich für Genies geziemt, gehören auch zu David Bowie die Schattenseiten des künstlerischen Daseins. Dass der Exzentriker in die Hochkultur einsteigt und Brechts Baal vertont, geschenkt. Doch spätestens beim Album Tonight von 1985 kann sich Bowie der 80er Produktionssterilität nicht entziehen, wie „Loving The Alien“ beweist. Die zwei Alben mit Tin Machine sind als kreativer Tiefpunkt zu werten, eine Phase, die bis in die 90er Jahre hineindauerte, so dass die vierte CD von Sound+Vision in der musikalischen Qualität deutlich an Substanz im Vergleich zu den ersten drei verliert. Aber mit den Klassikern und der Vielfalt seines Werkes aus den 70er Jahren verzaubert David Bowie natürlich immer noch. Und die sind viel wichtiger und spektakulärer als seine späteren Platten.

„Sound+Vision“ von David Bowie ist am 19.09.2014 bei Parlophone / Warner Music erschienen. 

Kommentare

  • Muss zur Ehrenrettung von Tin Machine anmerken, dass ich die mal in einem tollen Konzert gesehen habe, live waren die nicht ohne, haben gut abgerockt, Reeves Gabrels konnte schon was an den Saiten….
    Und zu dem Zeitpunkt wollte ich mir Bowie eigentlich nicht mehr antun, da ich ihn einige Jahre vorher auf seiner ‚Best-Of‘-Tour (die hieß glaub ich auch ‚Sound and Vision‘) gesehen habe, mit Adrian Belew als Tour-Gitarristen, die Veranstaltung war eine einzige grauenvolle Mainstream-Rock-Veranstaltung…..
    Wie auch immer, „Ziggy Stardust“, „Low“ und „Heroes“ sind meiner Meinung nach zeitlose Meisterwerke. Genial finde ich auch seine Interpretation der Jacques-Brel-Nummer „Amsterdam“.
    Viele Grüße,
    Gerhard

  • Muss mal gleich die alten Platten auflegen…Space Odditiy, genial.

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