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29. März 2026Schauplatz Philippinen und ein Ex-Surf-Profi als Privetdetektiv: Daniel Faßbender taucht mit „Heaven’s Gate“ ins Hardboiled-Krimi-Genre ein
von Gérard Otremba
Zuerst der „angebliche Oligarchensohn“ aus Russland, dann die schöne Spanierin Ángel. Zwei Menschen stellen das Leben von Caruso in kürzester Zeit auf den Kopf. Caruso, ehemaliger deutscher Profisurfer und Hauptfigur in Daniel Faßbenders neuem Roman „Heaven’s Gate“, lebt auf der fiktiven philippinischen Insel Surogao, wohin er sich zurückgezogen hat, um seine Zeit auf Hawaii hinter sich zu lassen. Und um auf der Monster-Welle „Heaven’s Gate“ surfen zu können. Die sich für viele andere als eine Nummer zu groß erweist, was ein erfahrener Surfer wie Caruso schnell erkennt. So auch beim vermeintlichen russischen Oligarchensohn, dem er die Welle zwar vermasselt, aber wohl das Leben rettet. Sieht der russische Schnösel ganz anders und hetzt ihm seine Leibwächter auf den Hals.
Caruso in Lebensgefahr
Die wunderschöne Spanierin Ángel, die ihn fatalerweise an seine Ex Maria erinnert, hingegen möchte Carusos Dienste als Privatdetektiv in Anspruch nehmen, da ihr Sohn Juan spurlos verschwunden ist. Trotz Bedenken willigt Caruso ein, schließlich steht er bei zahlreichen Menschen auf der Insel in der Kreide und Ángel sieht nicht nur blendend gut aus, sondern ist darüber hinaus auch noch reich genug, um ihn mit einem guten Honorar von einigen Schulden zu befreien. Während seiner Ermittlungen gerät der End-30-Jährige schnell in Lebensgefahr, stellt sich die Insel doch als beliebter Drogenumschlagplatz heraus. Der vermisste Juan scheint auf den illegalen Zug aufgesprungen zu sein und das große Geld gewittert zu haben. Eingebettet zwischen Gewalt und Korruption, muss Caruso erkennen, dass sich Freunde nur als vermeintliche herausstellen, er Hilfe indes von ungeahnter Seite bekommt, darunter von Juans Vater Diego, der in Deutschland just aus einer langjährigen Haftstrafe wegen Drogenhandel entlassen worden ist.
Daniel Faßbender auf den Spuren von Jakob Arjouni
Daniel Faßbender reiht sich mit „Heaven’s Gate – Ein Fall für Caruso“ in die Riege der Hardboiled-Krimis ein. Und das macht er richtig gut. Ein dem Alkohol nicht abgeneigter, verschuldeter, von seinen Erfahrungen entmutigter, aber kein zynischer, sondern eher selbstironischer Privatdetektiv, eine exotische Kulisse, gefährliche Situationen sowie ein spannender, große politische Dimensionen erreichender Plot sind der Faustpfand dieses Buches. Daniel Faßbender entwirft ein abwechslungsreiches und attraktives Setting für seinen ersten Kriminalroman und besetzt ihn bis in die Nebenrollen mit stimmigen und glaubwürdigen Figuren. Mit seiner pointierten und dringlichen Sprache schafft es Faßbender, der mit seinem Debütroman „Die weltbeste Geschichte vom Fallen“ 2018 auf der Longlist des Blogbuster-Literaturpreises stand, die Atmosphäre der Schauplätze perfekt einzufangen.
Alle Krimifans, die die Romane des 2013 verstorbenen Jakob Arjouni um dessen Frankfurter Privatdetektiv Kemal Kayankaya in guter Erinnerung behalten haben, stoßen bei Faßbender und Caruso möglicherweise auf eine neue Goldader. „Heaven’s Gate“ markiert auf jeden Fall einen überaus gelungen Einstieg ins Krimi-Genre.
Daniel Faßbender: „Heaven’s Gate“, Diogenes, Klappenbroschur, 304 Seiten, 978-3-257-30118-2, 19 Euro. (Beitragsbild von Alexander Conrads)





