Courtney Marie Andrews: Old Flowers

Courtney Marie Andrews: Old Flowers

Ein Trennungsalbum mit zehn bewegenden Songs von Courtney Marie Andrews

Bereits die letzten beiden, ebenfalls bei Sounds & Books besprochenen Alben, die „Coming-of-age“-Platte „Honest Life“ und das über den Umgang mit Depressionen sowie der Realität der Welt handelnde „May Your Kindness Remain“, waren traumhaft schöne Country-Folk-Platten. Nun setzt sich Courtney Marie Andrews mit „Old Flowers“ die Krone selbst auf. Die 29-jährige, aus Phönix, Arizona, stammende Songwriterin hat ihr sehr persönliches Trennungsalbum aufgenommen. Eine neunjährige Beziehung ging zu Ende und unter dem Einfluss des Trennungs- und Herzschmerzes entstand Andrews‘ fünfter Longplayer.

Ein kathartisch instrumentiertes Album

Courtney Marie Andrews Old Flowers Cover Loose Music

Inhaltlich also das „Blood On The Tracks“ der Courtney Marie Andrews, musikalisch erinnert „Old Flowers“ indes häufig an die traurige Seite eines Neil Young. Immer wieder denkt man, gleich „Helpless“ des kanadischen Kollegen zu hören. Andrews‘ Herzschmerz fängt Andrew Sarlo (Bon Iver, Big Thief) mit einer kargen Produktion ein: „Bevor wir ins Studio kamen, waren wir uns einig, dass wir diese Platte so kathartisch und minimal wie möglich machen wollten – mit dem Schwerpunkt auf Courtneys Stimme und ihrer Absicht hinter den Songs.“ So steht die an Emmylou Harris geschulte Stimme von Courtney Marie Andrews, die noch an der akustischen Gitarre sowie am Piano zu hören ist, im Mittelpunkt und die Mitmusiker Matt Davidson (Bass, Celeste, Mellotron, Pedal Steel, Klavier, Pumporgel, Wurlitzer, Background-Gesang) und Big-Thief-Schlagzeuger James Krivchenia reduzieren ihren Beitrag auf das Wesentliche.

Courtney Marie Andrews und ihre Songs über die ganz großen Gefühle

Doch so sehr Einsamkeit, Verletzlichkeit, Schmerz und Trauer die Platte Album thematisch beherrschen, ist „Old Flowers“ kein Abrechnungsalbum gegenüber dem Ex geworden. Vielmehr schickt ihm Andrews im Albumcloser „Ships In The Night“ einen liebevoll-versöhnlichen Gruß („From this Arizonan desert, to your cold English shores / I’m sending you my love and nothing more“). Narben und Zukunftszweifel sind indes geblieben, wie das an die Schwermut, die Erhabenheit und das Drama eines Nick Cave erinnernde „Carnival Dream“ beweist („Will I ever let love in again? / I may never let love in again“).

Ein Album, geprägt von viel Piano, viel Wehmut, viel Schönheit. Ob das bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellte „Burlap String“, das getragene „Guilty“, oder der anmutige Titelsong „Old Flowers“. Und „Someone Else’s Fault“ beleiht dann sogar doch „Tangeld Up In Blue“. Was will man mehr? Courtney Marie Andrews hat mit „Old Flowers“ ein Album mit zehn grandiosen und bewegenden Songs über die ganz großen Gefühle aufgenommen.

„Old Flowers“ von Courtney Marie Andrews erscheint am 24.07.2020 bei Loose Music / Fat Possum / Rough Trade. (Beitragsbild:

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Courtney Marie Andrews - "It Must Be Someone Else's Fault" (Official Video)

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