Courtney Barnett live in Hamburg 2022

Courtney Barnett live Hamburg 2022 Uebel & Gefährlich by Gérard Otremba Sounds & Books

Die australische Musikerin Courtney Barnett rockte das Hamburger Uebel & Gefährlich

Die Veröffentlichung ihres aktuellen, dritten und von uns an dieser Stelle rezensierten Albums „Things Take Time, Take Time“ liegt auch schon wieder ein Jahr zurück. Und wie um den Titel zu bestätigen, hat es offensichtlich Zeit gebraucht, damit Courtney Barnett mit dem neuen Material in Deutschland auftreten konnte. Klar, da war die Pandemie, die Konzerte auch im letzten Winter verhinderte. Aber immerhin war die Australierin im Juni als Support von The National u.a. im Hamburger Stadtpark unterwegs (Sounds & Books berichtete). Nun also spielte Courtney Barnett am 02.11.2022 mit Bones Sloane am Bass und Dave Mudie am Schlagzeug in Trio-Besetzung im vollen Hamburger Uebel & Gefährlich.

Courtney Barnett zelebrierte den Rock’n’Roll

Als Support brachte Barnett die in den USA geborene, in der Nähe von Köln aufgewachsene und nun seit sechs Jahren in Australien lebende Anika Ostendorf mit, die unter dem Moniker Hachiku auftritt und in Quartett-Besetzung dem geneigten Publikum einige sehr feine Indie-Dream-Pop-Rock-Songs zu Gehör brachte. Und zusätzlich Pluspunkte mit ihren charmant-witzigen, fast schüchtern vorgetragenen Ansagen sammelte. Mit Ansagen hielt sich Courtney Barnett gar nicht erst auf, sondern rockte in knapp 90 Minuten das Uebel & Gefährlich. Manchmal kam man sich fast wie bei einem Konzert von Neil Young & Crazy Horse vor. Barnett, Sloane und Mudie zelebrierten geradezu den guten alten Rock’n’Roll im Indie-Alternative-Rock-Format auf sehr lässige und inbrünstige Art und Weise. Hier wurde Gitarre, Bass und Schlagzeug noch gearbeitet und obgleich sich Courtney Barnett in ihr Gitarrenspiel mächtig reinkniete, übertrieb sie typische Gitarren-Helden-Posen nicht.

Eine ungeplante Pause

Immer wieder huschte ein zufriedenes Lächeln über ihr Gesicht und sie erfreute sich sogar, als ein Fan nach einem Bass-Solo verlangte, sie den Wunsch ins Englische übersetzte und Bones Sloane tatsächlich ein kurzes Solo anstimmte. Das Trio riss die Besucher mit jedem Song mit. Ob nun mit dem souveränen Opener „Rae Street“, dem gewaltigen Blues-Rock von „Small Poppies“, dem legeren „Depreston“ oder den Fan-Favoriten „Elevator Operator“ und „City Looks Pretty“. Leider gab es während „History Erasure“ eine technische Panne, die Barnett zu einer Konzertunterbrechung von fast zwanzig Minuten zwang. Die ungeplante Pause nutzte die 35-Jährige, um die restlichen fünf Songs der Setlist als eine Art erweiterten Zugabenblock zu präsentieren, darunter ein donnerndes „Pedestrian At Best“, ein krachendes „Nobody Really Cares If You Don’t Go To The Party“ sowie ein cooles „Before You Gotta Go“ zum Abschluß. Courtney Barnett lieferte den Live-Beweis, dass Rockmusik niemals sterben wird.   

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Kommentare

  • <cite class="fn">Sarah</cite>

    Courtney Barnett und ihre Band waren ohne Frage große Klasse! Und ich sehe es auch so, dass es sich bei der Musik noch um waschechten Rock handelt – es war schön, sie live erlebt zu haben. Nur leider hat uns der Sound das Konzert komplett versaut. War es ein technisches Problem oder die Anlage im Ü/G? Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind leider die meisten Gitarren Riffs und auch viel vom Gesang im grässlichen Wummern vom Bass untergegangen. Eigentlich war der ganze Sound nur ein einziger Brei und ist der Musik überhaupt nicht gerecht geworden. Und dafür 3 Stunden angereist,ganz schön enttäuschend.

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